Gruppenausstellung

„Hinter der Maske. Künstler in der DDR“ im Museum Baberini

Seiltänze in der DDR: Das Barberini beleuchtet mit „Hinter der Maske. Künstler in der DDR“ Selbstbild, Anspruch und Realität der bildenden Künstler vor dem Mauerfall

VG BILD-KUNST, Bonn 2017

In seiner insgesamt dritten Ausstellung wendet sich das Museum Barberini einem sehr deutschen Thema zu: Künstler in der DDR. Der Blickwinkel richtet sich dabei auf die Protagonisten und ihr häufig nicht unproblematisches Selbstbild. Damit versucht das Barberini auch, einen anderen Weg in der Betrachtung von Kunst zu gehen, die während der Zeit der DDR entstanden ist, und sich von einer politisch gefärbten Kuration zu lösen. Valerie Hortolani und Michael Philipp, die beiden Kuratoren, haben aus den Beständen der eigenen Sammlung und diversen Leihgaben einen spannenden, diversen Parcours von Künstlerpersönlichkeiten, Stilen und Medien zusammengetragen, wenn auch die Malerei klar im Vordergrund steht. So ganz entkommen kann die Ausstellung der Politik aber dann doch nicht, gerade auch weil das die ganze Ausstellung überspannende Thema Selbstwahrnehmung und -darstellung naturgemäß eng mit den Besonderheiten der DDR verknüpft ist. So ist der für die Ausstellung als emblematisches Bild ausgesuchte „Seiltänzer“ von Trak Wendisch ein passendes Sinnbild für das Künstlerdasein in der DDR im Spannungsfeld von politischer Gängelung und dem Willen nach individueller und ästhetischer Freiheit. Interessant ist bei aufmerksamer Betrachtung der Werke, dass die Künstler zu Beginn, in den späten 40er- und 50er-Jahren, noch recht nah am Stil ihrer Zeit sind, während gerade die Malerei ab den 60ern immer mehr zu einer regelrechten Flucht in die Kunstgeschichte aufbricht, im Sujet – vom Stillleben über das Selbstporträt bis hin zum Atelierbild.
Die Architektur des Museums nutzend haben die Kuratoren die Ausstellung in acht Themenräume geteilt, hinzu tritt ein der Plastik gewidmeter Raum. Gleich am Anfang geht es ums Selbstporträt und die zumeist realistische Malerei trifft auf das leider etwas abseits hängende „Ich“ von A.R. Penck, das unverändert zeitgenössisch daherkommt. Ein größerer Gegensatz zwischen dieser humorvoll abstrakten Selbstdarstellung und einem Gemälde wie Rudolf Nehmers „Bildnis des Malers Fritz Tröger“ ist kaum vorstellbar und macht so gleich die Diversität von künstlerischen Ansätzen und Formsprachen deutlich, die in der DDR existierten.

Auch avantgardistische und abstrakte Kunstströmungen haben ihren Platz. Bezaubernd: die punkigen Exponate des Künstlerkollektivs Galerie Clara Mosch aus Chemnitz (damals: Karl-Marx-Stadt) und die feinen Schreibmaschinen-Arbeiten von Ruth Wolf-Rehfeldt. Diesen zu wenig beachteten Künstlern, die im Schatten des Staates ihr eigenes Ding gemacht haben, wird hoffentlich bald einmal eine eigene große Ausstellung gewidmet, die diesen Schatz hebt und einordnet.

Neben der Ausstellung und nicht als Teil dieser gedacht sind, im Barberini zum ersten Mal seit gut 20 Jahren auch die großformatigen Malereien aus der Palastgalerie zu sehen. Die von ihrem künstlerischen Wert oft eher fragwürdigen Riesenbilder aus dem Palast der Republik stammen sämtlich von namhaften Malern, die fast alle auch in der Ausstellung vertreten sind. Auch wenn sie kaum mehr sind als monumentale Ausfertigungen des sozialistischen Auftrags-Realismus, passt es zum Thema, wird doch so der Kontrast zwischen eigenständigem Schaffen der Künstler und der politischen Auftragskunst verdeutlicht.

Museum Baberini Humboldtstraße 5 – 6, Potsdam, Mi–Mo 10 –19 Uhr, bis 4.2.

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