Kultur & Freizeit in Berlin

?“Hotel Hades“ von Katharina Greve

Teuflisches Absurdistan: Der Tod ist nicht das Ende und die Hölle wird ihrem Namen gerecht. Die neue Graphic Novel der Berliner Zeichnerin.

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Blut- und ketchupüberströmt liegen sie erschossen vor Peter Fischers Imbissbude Fischers Frites, irgendwo im Herzen Berlins. Martha Korn, eine halbwegs er­folgreiche Romanautorin, ihren Lustknaben Florian Brinkmann und ebenfalls den Imbissbudenchef hat es erwischt. Das Motiv ist unbekannt, tut aber auch nichts zur Sache. Denn der Tod ist nicht das Ende. Mit dem Tod beginnt in Katharina Greves absurd-philosophischer Graphic Novel die Reise in den Hades, das Totenreich, wie es die griechischen Mythendichter überlieferten, oder ins „Hotel Hades“, wie es die Berliner Zeichnerin getauft hat.
Nach „Ein Mann geht an die Decke“ und „Patchwork – Frau Doktor Waldbeck näht sich eine Familie“ legt die 42-Jährige nun ihren dritten Comicroman vor. Los geht’s. Überfahrt mit dem Schiff, Ankunft, Formular ausfüllen. Check-in. Endstation Hades. Die Guten dürfen ins paradiesische Elysion, wo Steve Jobs, Mao und Mutter Teresa durch antike Gärten tollen. Die ganz Bösen kommen in den finsteren Tartaros. Dort schlachtet Hitler kleine Hundewelpen und Ivan der Schreckliche schmort in billigem Palmfett. Auf die allermeisten jedoch wartet die Asphodelos-Ebene. Ein unwirtlicher, grauer und freudloser Ort, beherrscht von wahnwitziger Bürokratie, Desinteresse und Ignoranz. Die trübsinnige Existenz der Bewohner mündet mit der Zeit und dem stetigen Konsum von Lethe-Wasser in der totalen Apathie. Hier muss sich das verstorbene Trio also zurechtfinden.
Der junge Brinkmann verschafft sich durch einen üblen Trick Zugang zum Paradies, Fischer darf in seinem Beruf weitermachen und die Elysion-VIPs bekochen. Einzig Martha Korn soll für ihre literarischen Sünden büßen. Auf lakonische Weise konstruiert Greve das Höllenkonzept als einen modernen, auf Effizienz und Wirtschaftlichkeit bedachten Unort. Ihre glattflächigen, stilisierten Zeichnungen vermitteln die Abgründe der höllischen Ewigkeit, durch die sie mit einem Farbsystem leitet. Bunt für die Sphäre der Lebenden und der Götter, Graustufen für Asphodelos und schwarze Schatten dominieren im Tartaros. „Hotel Hades“ ist ein wunderbares Buch, eine der wichtigen Berliner Veröffentlichungen der Saison. Man wünscht sich nach der Lektüre bloß inniglich, nach dem Tod möge es einfach nur vorbei sein.

Text: Jacek Slaski

Foto: Katharina Greve/Egmont

tip-Bewertung: Empfehlenswert

Hotel Hades
von Katharina Greve, Egmont, ?120 Seiten, 19,90  Euro

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