Indietronic

Hundreds im Astra Kulturhaus

Erhöhter Puls: Die Hundreds umweht eine unerhört elektronische Brise

Foto: J. Konrad Schmidt

Auffällig unauffällig haben sich die Geschwister Eva und Philipp Milner (kurz: Hundreds) seit 2010 zur autarken Größe im europäischen Elektropop entwickelt. Ihr eigenwilliger, gleichzeitig eingängiger Artpop klingt nach Großstadt – schwer festzumachen, ob dieser seine Wurzeln in Island, Frankreich oder eben Deutschland hat.
Seit dem Debütalbum ist das Duo stets mit Understatement aufgetreten und hat mit attraktiven Support-Slots etwa für Alt-J viele Fans gewonnen. Die mochten den Erstling mit seiner großäugigen Melancholie ebenso wie den selbstbewussten, klanglich weiter gefächerten Nachfolger „Aftermath“, auf dem sich neue akustische Klangfarben stimmig mit Elektronik mischten.
„Wilderness“ heißt das jüngste Album, das im eigenen Studio im Wendland entstand. Diesmal weht wieder eine deutlich elektronischere Brise; Synthpop nach Art von 1980er-Vorlagen von Art Of Noise oder Depeche Mode klingen in dunklen Epen wie dem Titeltrack an.
Eva Milner ist zur gestandenen Frontlady geworden: Mit ihrem entspannten Timbre gibt sie einen starken Fixpunkt ab, der auch britischen Trip-Hoppern wie Faithless oder Bat For Lashes gefallen dürfte. Auch sonst steht der Elektro-Schliff nebst dynamischen, teils ­tribal-artigen Rhythmen den norddeutschen Feingeistern gut. Eine Band, die eine erstaunlich zügige Reifung durchläuft.

Astra Kulturhaus Revaler Str. 99, Friedrichshain, Mi 22.3., 20 Uhr, VVK 27 €