Kunst + Medien

Im Auge des Tumults: Die CTM-Ausstellung im Kunstraum Kreuzberg

Die CTM-Ausstellung zeigt künstlerische Strategien, mit der Zerrissenheit unserer Zeit umzugehen

Foto: Lawrence Lek

Das klangvolle Wort „Turmoil“, zu deutsch Tumult, ist 2018 Thema des CTM Festivals, des wichtigsten Events der Stadt für Avantgarde-Musik. Geladen sind Leute wie die Noise-Performerin Pan Daijing aus Südchina und der von Björk verehrte Electro-Feinmechaniker Lotic. Yes! Doch kein CTM ohne angekoppelte Ausstellung mit Polit-Anspruch: Anne de Vries baut diesmal ein Hardcore-Techno-Show-Setting mit schreienden Promo-Postern und extremen Licht-Effekten. Es geht ihm um die Verbindung von Technologie und Massenerfahrung. In Frédérick A. Belziles ­Video „Eyes in the Sky“ fliegt die Drone aus dem Protest gegen die Dakota-Access-Erdöl-Pipeline davon. Dafür landet in Lawrence Leks mit Videospiel-Software gerendertem Film ein künstlich-intelligenter Satellit namens Geomancer, der beansprucht, ein Künstler zu sein. Schon schwindelig? Der Tumult hat doch gerade erst begonnen. Electro-Produzent Zuli will 360 audiovisuelle Collagen aus seiner Heimatmetropole Kairo errichten und dabei Straßenszenerien mit eigenen Kompositionen abmischen. ­Zorka Wollny und Andrzej Wasilewski werden streitende Stimmen des Protests per Teslaspule in hochfrequente Wechselspannung transformieren. Lichtblitzendes Sinnbild für die Auf- und Entladung politischer Spannungen. Kuscheliger wird es dann vielleicht in der Installation von Teun Vonk namens „The Physical Mind“: Zwei riesige Luftkissen polstern die Besucherinnen und sollen sie in einen Zustand des Wohlgefühls versetzen. Wir werden sehen. Und hören.

Kunstraum Kreuzberg/Bethanien Mariannenplatz 2, Kreuzberg, 27.1.-2.4., Eröffnung Fr 26.1., 19 Uhr, Eintritt frei

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