Musik & Party in Berlin

Im Bang Bang Club: Lily Electric

Lily ElectricWenn Bjarke Porsmose über seine Heimatstadt Kopenhagen spricht, schätzt er die Dinge rea­lis­­tisch ein: Die Statue der „kleinen Meerjungfrau“ sei hoffnungslos überschätzt und nur für japanische Touristen interessant. Kristiania dagegen, die bedrohte Hippie-Kommune am Stadtrand, sei dagegen ein großartiger, kreativer Flecken. Vielleicht schwebte dem Frontmann von Lily Electric so was wie Kristiania im Metropolenformat vor, als er seinen Gitarrenkoffer packte und mitsamt seiner Band nach Berlin übersiedelte. Zwei Jahre ist der Umzug her, seither tingelt das Quartett mit der Liebe zu verträumt-melodischen Britpop-Harmonien unermüdlich durch Underground-Stätten wie das White Trash oder Love­lite oder spielt im Vorprogramm von Britrock-Stars wie Maxпmo Park und The Kooks. Auch sonst sind die Skandinavier schnell heimisch geworden in Berlin.
In den kunstsinnigen Videofilmen, die die Band in Eigenregie zu ihren Songs bastelt, sieht man die Exil-Dänen über Spreebrücken am Osthafen schlendern oder in den endlosen Fluren des ehemaligen DDR-Funkhauses in der Nalepastraße. In dem morbiden Gebäude, das zuletzt immer mehr internationale Bands als inspirierenden Aufnahmeort für sich entdeckt hatten, entstand auch Lily Electrics Debütalbum, „You’re In The Painting You Saw„. Die Songs darauf sind randvoll mit klassischen Vokalharmonien und einem goldgelb strahlenden Gitarrendoppel. In Verbindung mit Bjarke Porsmoses nasalem Gesang denkt man da eher an Liverpool als an Lichtenberg; die Nalepastraße liegt dann für ein paar Gitarrensongs am Mersey-River, nicht an der Spree.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Jennifer Eberhardt

Lily Electric + Nervous Nellie, Bang Bang Club, Sa 23.5., 21 Uhr, VVK: 7 Euro

Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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