Stadtleben und Kids in Berlin

Im Gespräch mit Marion Pfaus über den Rückbau des Stadtschlosses

Die Filmemacherin und Satirikerin Marion Pfaus („Rigoletti“) sammelt Spenden für den Rückbau des Stadtschlosses. Wir sprachen mit ihr über die Grundsteinlegung, Wetten auf den ­Eröffnungstermin und eine Party-­Einladung für das Jahr 2050

Marion_PfausFrau Pfaus, mit Ihrer Initiative Humboldt 21 sammeln Sie Spenden zum späteren Abriss des Berliner Schlosses. Konnten Sie neulich bei der Grundsteinlegung für das Humboldt-­Forum Interessenten gewinnen?   
Marion Pfaus Nein. Aber die Grundsteinlegung als sichtbares Zeichen für den Aufbau wird natürlich auch die Spendenbereitschaft für Humboldt 21 befeuern.

Was ist die Idee dahinter?   
Ich denke da tatsächlich ein bisschen an die Zukunft. Und an die Rückbaugeschichte. Jedes Gebäude, das dort je gebaut wurde, wurde auch wieder abgerissen. Seit dem Palast der Republik nennt man Abriss ja Rückbau.

Kein Problem für Sie, dass der Bau des Humboldtforums ja gerade erst losgeht?
Ich werde ab sofort die Baustelle in Hinsicht auf den Rückbau beobachten: welche Teile wo hinkommen, wie man sie wieder rausholen, was man damit machen kann. Mit der Eröffnung des Schlosses möchte ich dann eigentlich gleich mit dem Rückbau beginnen.

Man kann bei Humboldt 21 zwei Euro auf den Eröffnungstermin wetten. Ihr Tipp?  
Ich gehe davon aus, dass der offizielle Termin, 2019, nicht zu halten ist. Der pessimistischste Wettkandidat geht von 2045 auf.

Wie viel Geld wurde bisher gespendet?  
416,41 Euro.

Hm. Gibt’s denn schon einen Kostenvoranschlag für den Rückbau?
Nein, noch nicht. Ich habe aber tatsächlich schon mal bei einer Abrissfirma angefragt. Die wollen damit aber nichts zu tun haben.

In Ihrem Kurzfilm „Fakten- und Fassadencheck“ sieht man, wie Sie Ihrer Spenden­dose einen Euro entnehmen, um damit eine Souvenir-Medaille für das Humboldt-Forum zu erstehen. Mal unter uns: Das ist eine Zweckentfremdung von Spendengeldern.  
Natürlich. Das ist quasi meine erste öffentliche Unterschlagung. Transparenz finde ich sehr wichtig.   

Bei den Spenden konkurrieren Sie direkt mit Boddiens Förderverein, der für die Schlossfassade 80 Millionen Euro sammeln will, aber erst bei gut 20 Millionen Euro ist.
Wilhelm von Boddien kennt mich. Wir waren letztes Jahr im Mai bei einem Hamburger Symposium zum Humboldt-Forum, wo wir beide einen Vortrag gehalten haben. Wir haben uns sogar die Hand geschüttelt.

Via Facebook laden Sie anlässlich des 100. Jahrestags der Schlosssprengung zur Party  ein – am 6. August 2050. Letzte Woche lagen schon 156  Zusagen vor. Sie selbst gehen 2050 auch rüstig auf die 90 zu. Ist die Veranstaltung eigentlich barrierefrei?
Das werden wir dann schon so gestalten.

Interview: Erik Heier

Humboldt21 – die nächsten Termine
Tschk!talks (tschk.de), Kreuzberg, Do 20.6., 20.30 Uhr;
Stammtisch im Aufbauhaus, Kreuzberg, Do 27.6., 20 Uhr;
www.humboldt21.de, www.rigoletti.de

 

weitere Kurzinterviews:

Im Gespräch mit Lala Süsskind und Jörg Steinert über ein Denkmal für Magnus Hirschfeld

Im Gespräch mit Karin Rothe über ihren Film „Betongold“, der sich mit der am eigenen Leib erlebten Gentrifizierung auseinander setzt

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Übersichtsseite Kultur und Freizeit in Berlin

 

 

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