Essen & Trinken in Berlin

Im Horvбth tritt Sebastian Frank ein schweres Erbe an

Es gab schon sehr viel Vorschusslorbeeren zu lesen und im Radio zu hören, aber auch schon herbe Enttäuschungen aus dem Freundeskreis

HorvarthDarauf angesprochen, reagiert der neue und junge Koch vom Horvбth, Sebastian Frank, souverän, freundlich, bescheiden. Und er erklärt auch, dass er mit drei Mann in der Küche arbeitet. Damit sind deutliche Grenzen gesetzt. Ambition und Enttäuschung für ihn, Lob und Tadel der Gäste sind also vorprogrammiert. Das ist auch an diesem Abend so, der mit Begleitung genossen wird, die weder die vorangegangenen Hymnen noch die Desillusionierung kennt. Der Service funktioniert im Garten am Paul-Lincke-Ufer hervorragend, und für Chefin Edith Berlinger ein großes Kompliment. Höflich, freundlich gibt sie an unserem Tisch eine Kostprobe ihrer Professionalität, und wir fühlen uns familiär, ja sogar vertraut aufgehoben – ohne jegliche Aufdringlichkeit. Wir sind gespannt, ob die Küche mithalten kann.

Der Chablis zum Amuse-Bouche-Menü ist ein kräftiger Begleiter, vielleicht ein wenig zu kräftig, aber die persönliche Vorliebe ist einfach zu groß. Nun also zum Essen, dem Fünf-Gänge-Menü: Vom Amuse blieb nur die Trockenheit des Kaninchens in Erinnerung. Ist eigentlich kein großes Missgeschick, wenn nicht der Zander fast noch trockener auf dem Teller gelandet wäre. Ein wenig ratlos fragt sich der Gast, ob das der Küchensituation und den zahlreichen Gästen geschuldet ist. Ausgesprochen gut war die Variation der Stopfleber und des Kalbsbries. Das wunderbar cremige Lebermousse mit Holunder-Innenleben entschädigt die vorangegangene Trockenphase. Das Lachsforellen-Tartar und die lauwarme Lachsschnitte lässt dann alles in einem harmonischeren Licht erscheinen, das Rinderfilet ist gut, das Artischockentascherl leider etwas schwerfällig. Doch dann ist beim Dessert wieder Schluss. Lohnt nicht, darüber zu räsonieren. Da ist so gar nichts richtig gut, und die Österreicher sind doch bekannt für ihre Süßspeisen. Wie soll man nun die Ambitionen von Sebastian Frank beurteilen, wenn die Messlatte schon in den ersten beiden Monaten so hoch gehängt wird? Weniger Kochkunst, mehr Handwerk ist vielleicht nicht ganz so anspruchsvoll. Aber vielleicht wäre das im Sommer für die kritischen Berliner, die diese Adresse schon seit Jahren kennen und schätzen, erst einmal eine vertrauensbildende Maßnahme.

Ach, und erleichternd wie erheiternd ist die Szene, als ein Gast am Nebentisch klipp und klar sein Urteil äußert. Dem schmeckt sein Hauptgang und auch das Dessert nicht. „Zwei Seelen wohnen meiner Brust“ – voller Sympathie für den Neuankömmling dieser Stadt, auf den so große Hoffnungen gesetzt werden, lautet das Urteil „zwiespältig„. Das Horvбth bleibt aber auch eine Empfehlung – Sebastian Frank muss sich ein dickes Fell anlegen und so offen und flexibel bleiben, wie er im Moment den Anschein macht.

Text: Eva-Maria Hilker
Foto: Andreas Rot
tip-Bewertung: Zwiespältig

Horvбth Paul-Lincke-Ufer 44a, Kreuzberg, Di-So 18-1 Uhr, Küche bis 23 Uhr, Tel. 61 28 99 92, www.restaurant-horvath.de Speisen von 8,50 bis 27 Ђ, Softdrinks ab 2,20 Ђ, Bier (0,3 l) ab 3,20 Ђ, Wein (0,1 l) ab 4,30 Ђ, Fl. Wein (0,75 l) ab 28 Ђ


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