Kino & Film in Berlin

Im Kino: „Bedways“

Regisseur RP Kahl zeigt in Bedways, wie moderne Menschen beim Sex vor allem das eigene Bild im Kopf haben

BedwaysEs gibt gute Gründe, mit den Filmen von RP Kahl ein Problem zu haben: mit ihrer artifiziellen Nervosität und ostentativen Zeitgeistigkeit in „Sylvester Countdown“ (1997) oder „Angel Express“ (1998). Doch bei all der diskursiven wie emotionalen Hyperaktivität übersieht man leicht den ausgeprägten Sinn des Regisseurs für die Feinmechanik menschlicher Interaktionen, für die subtilen Schaukämpfe der Egos, wie er sie in dem Schauspielerinnenportrait „Mädchen am Sonntag“ (2005) vorgeführt hat. Dieses Gespür für den menschlichen Faktor mag daran liegen, dass der 1970 in Cottbus geborene Kahl selbst ausgebildeter Schauspieler ist. Seine Filmkarriere begann er als Produzent von Oskar Roehler.

Auch die Eröffnung in seinem aktuellen Film „Bedways„, der schon auf der Berlinale zu sehen war, sucht zunächst den starken Effekt: schweres Atmen, sanftes Stöhnen einer weiblichen Stimme, dann ganz nah das Gesicht der Frau im kalten Bild einer Überwachungskamera, am Ohr ein Telefon. Komm her, sagt sie mit rauer Stimme. Das tut er, und nach gut zwei Minuten hat man fast alles gesehen. Der Anfang ist der Schluss des Films „Bedways“ und das Ende des Films, von dem er erzählt. Das Ende einer Versuchsandordnung, in der die Kamera zugleich Mikroskop, Waffe und Akteur war.

Die angesagte Regisseurin Nina, die Schauspieler Hans und Marie, alle jung, gut aussehend und ehrgeizig, arbeiten an einem nicht klar umrissenen erotischen Filmprojekt. Personal und Location sind vertraut: die Mitte-Mädchen mit Fransenfrisur und Schal, der Jungmime mit Testosteronüberschuss, die labyrinthischen, dekorativ verwahrlosten Altbauwohnungen, dazu ein todschicker Soundtrack. Doch Kahl entwickelt aus dem Material, das nahe am prätentiösen Arthouse-Porn vorbeischrammt, eine dreiaktige Etüde über Voyeurismus und Begehren, Tauschwert von Sex und den Preis der Bilder davon. Das geht bis an den Punkt, an dem das virtuose Spiel mit den Grenzen der Fiktionalität diese aushöhlt und nur noch das Fleisch übrig bleibt, die sexuelle Pathosgeste. Die zentrale Sexszene ist gegengeschnitten mit den Großaufnahmen der Gesichter der drei, im Banne des eigenen Bildes. Kalkulierte Affekthascherei, starkes Kino.

Text: Stella Donata Haag
tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: Bedways“ im Kino in Berlin

Bedways Deutschland 2010; Regie: RP Kahl; Darsteller: Miriam Mayet  (Nina Bader), Matthias Faust  (Hans Alexander Dahn), Lana Cooper  (Marie Traunstein); 78 Minuten;

Kinostart: 3. Juni

NEUSTARTS IN BERLIN

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