Kino & Film in Berlin

Im Kino: „The Dust Of Time“

Theo Angelopoulos will in seinem Alterswerk große Fragen beantworten, verliert sich jedoch in einer unübersichtlichen Fülle von Ereignissen.

In seinem 15. Film seit dem Debüt 1970 befragt der bald 75-jährige Grieche Theo Angelopoulos das eigene Metier. Sein Alter Ego A., ein amerikanischer Regisseur griechischer Abstammung, dreht in Europa einen Film über das Leben seiner Eltern, der immer mehr zum Versuch wird, sich in die eigene, gescheiterte Biografie hineinzuerzählen.
Seine Mutter, die zauberhafte Eleni, stand als schöne Helena zwischen zwei Männern, dem treuen Gefährten Jakob und der großen Liebe Spyros, A.s Vater. Doch bleibt diese Liebe seltsam körperlos und ungreifbar, wie im Mythos mehr von Schicksalsmacht als von Psychologie bestimmt. Der Staub der Zeit wird zum Sand im Getriebe der Erzählung, raubt ihr trotz der Fülle der Ereignisse und Bezüge, vom Stalinismus bis zum Mauerfall, vom griechischen Bürgerkrieg bis Watergate, jedes fesselnde Moment.
In diesem erzählerischen Ungefähr gelingen Angelopoulos immer wieder Bilder von emble­matischer Tiefe und poetischer Schön­heit. Wie in jener Szene im Hotelfoyer, als der nach seiner Tochter suchende Regisseur plötz­lich zwischen unzähligen Fernsehgeräten mit zersprungener Matt­scheibe steht, die eine Protestguerilla dort zusammengetragen hat. Der Film ist ein Alterswerk, weniger angestaubt denn entrückt in die Welt der ganz großen Fragen. Und der ziemlich unübersichtlichen Antworten.

Text: Stella Donata Haag

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „The Dust Of Time“ im Kino in Berlin

The Dust Of Time (Trilogia II: I skoni tou hronou), Deutschland/Italien/Griechenland 2009; Regie: Theo Angelopoulos; Darsteller: Willem Dafoe (A.), Bruno Ganz (Jacob), Michel Piccoli (Spyros); Farbe, 125 Minuten

Kinostart: 29. Oktober

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