Kino & Film in Berlin

Im Kino: „Puppe“ von Sebastian Kutzli

Der Feind in deinem Körper: Sebastian Kutzli erzählt in seinem sensiblen Jugenddrama Puppe von Mädchen, denen das Leben übel mitgespielt hat

Puppe_01_c_HagenKeller_W-FilmHoch in den Bergen des Schweizer Wallis, nahe der Baumgrenze – „da, wo es nicht mehr weiter geht“ – betreibt Geena (Corinna Harfouch) fernab der Gefährdungen durch die Städte eine Resozialisierungseinrichtung für straffällig gewordene Mädchen aus Deutschland. Inmitten der symbolträchtig schroffen Landschaft und von einem planvoll geregelten Schul- und Arbeitsalltag geprägt, sind die Heimbewohner hier nur auf sich und die Gruppe gestellt. So sollen sich neue Perspektiven für die jungen Frauen ergeben, deren Leben bisher von Misshandlungen, Kriminalität und Prostitution geprägt war. Das Spielfilmdebüt von Sebastian Kutzli beruht auf persönlichen Erfahrungen der Drehbuchautorin Marie Amsler, die zuvor als Lehrerin und Betreuerin in einem Sozialprojekt für verhaltensauffällige Frauen gearbeitet hatte. „Puppe“ übernimmt dabei die Perspektive der aus Duisburg neu angekommenen 16-jährigen Anna. Mit wachem, körperbetontem Spiel stellt Anke Retzlaff Annas störrische und scheue Reaktionen auf die wohlmeinenden Integrationsversuche der Pädagogen dar. Hier und in der Darstellung des von Machtspielen dominierten Miteinanders der komplizierten Mädchen liegen die Stärken von Kutzlis Inszenierung.

Nüchtern registrierend besitzt der Film eine große Sensibilität für Blicke, Gesten und Körperhaltungen der Protagonistinnen. Zugleich werden durch immer wieder einsetzende Flashbacks dramatische Fragmente von Annas Leben auf den Straßen von Duisburg in die Erzählung verwoben, in denen sich blitzhaft ihre zerrissene, traumatisierte Biografie offenbart. Auf der Suche nach der Bewältigung einer vermeintlichen Schuld verwandelt sich der Film nach und nach von einer Resozialisierungsgeschichte in ein Jugenddrama mit Thriller-Elementen. Denn das fatale Verhältnis, das die traumatisierte Anna mit der aggressiven, kriminellen Magenta (Sara Fazilat) beginnt, entpuppt sich schon bald als falsche Freundschaft – die im dramatischen Finale schließlich auf eine fast mythische Konfrontation hinausläuft.

Text: Michael Baute

Foto: Hagen Keller / W-Film

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Puppe“ im Kino in Berlin

Puppe Deutschland/Schweiz 2011; Regie: Sebastian Kutzli; Darsteller: Anke Retzlaff (Anna), Corinna Harfouch (Geena), Sara Fazilat (Magenta); 89 Minuten; FSK 12; Kinostart: 21. Februar

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