Kino & Film in Berlin

Im Kino: „Staudamm“

Einfühlung: Zwei junge Menschen bemühen sich in dem Film von Thomas Sieben, den Amoklauf eines Schülers zu begreifen.

Staudamm

Aus den Akten in die Wirklichkeit: Um Lücken in den Prozessunterlagen zu füllen, wird der junge Mitarbeiter eines Staatsanwalts aus München in einen Provinzort geschickt, wo vor einem Jahr ein 18-jähriger Schüler Amok lief. Dort begegnet er einer Schülerin, die ihre eigene Methode entwickelt hat, mit dem Trauma umzugehen. Mit seinem zweiten Film „Staudamm“, geschrieben wiederum zusammen mit Christian Lyra, legt Thomas Sieben ein stilles Drama vor, dem es – wie schon seinem Debüt „Distanz“, in dem Ken Duken einen schizophrenen Serienmörder verkörperte – gelingt, die Stille zum Reden zu bringen: Die Genauigkeit in der Beobachtung erfüllt das klassische Erzählmodell des Fremden, der als Identifikationsfigur dient und damit das Unvorstellbare ansatzweise begreifbar macht. Konsequent vermeidet der Film jeden Anflug von „Gewalt- bzw. Trauerpornografie“ (Thomas Sieben), indem er die Tat nicht zeigt und sich stattdessen auf die Herausarbeitung der Folgen konzentriert.

Text: Frank Arnold

Foto: milkfilm

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Staudamm“ im Kino in Berlin

Staudamm?, Deutschland 2013; Regie: Thomas Sieben; Darsteller: Friedrich Mücke (Roman Weissner), Liv Lisa Fries (Laura), Dominic Raacke (Prof. Dr. Schadt); 89 Minuten; FSK 12

Kinostart: 30. Januar

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