So war das tip Weinmahleins präsentiert von Priceless Berlin

Im Schwein

Schwein gehabt – und das auch mit dem Wetter. Weswegen dieses Weinmahleins präsentiert von Priceless Berlin in einen lauen Sommerabend verlängert wurde. Draußen sitzen in der Elisabethkirchstraße, diesem charmanten Schlenker hinaus aus dem Trubel von Mitte. Wobei es dieses Schwein auch mal trubelig mag. Dieser Dreiklang aus Bar, Weinbar und Restaurant ist das charmante, nonchalante Update eines Gesellschaftslokals. Ein Ort mit Stil, aber ohne Allüren. Und mit einem Koch, der es aus dem Stand zu 15 Gault-Millau-Punkten gebracht hat. Plötzlich – und zu recht – war dieses Schwein also auch eine Fine-Dining-Adresse.

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Christopher Kümper, unter drei Michelin-Sternen wirkte der junge Koch etwa bei Niels Henkel in Bergisch-Gladbach in gestaltender Position, zeigte bei diesem Weinmahleins präsentiert von Priceless Berlin dabei, dass guter Geschmack keine Schubladen kennt. Den Hauptgang – Ochsenbacke mit Meerrettich auf Kartoffelstampf – könnte man fast schon gut bürgerlich nennen. Dabei war er handwerklich so perfekt wie geschmacklich soulfoodig-wunderbar. Selige Gesichter allenthalben, ein Lieblingsgericht. Oder die „Kohlroulade vom Kaninchen“, wie Kümper es selbst nannte. Und das war so galant untertrieben wie wahr: eine klug ins asiatische gedrehte Interpretation, garniert mit einem so hauchdünn gehobelten Stück Lardo, dass der italienische Schinken tatsächlich transparent wurde. Lecker – für das Auge und den Gaumen.

Die Weine, die all das in ihrer knackigen Mineralität wunderbar flankierten, kamen aus Franken, vom Winzerhof Stahl in Auernhofen. Dort ist Christian Stahl Winzer in der – tatsächlich – ersten Generation. In Berlin kommt seine klare Philosophie neben dem Schwein bereits in der Cordobar oder im Katz Orange in die Gläser. An Orten also, denen man Geschmack und Zeitgenossenschaft unterstellen kann. Wir verliebten uns in den Silvaner „Springinsfeld“. Vielleicht, weil es die typischste Rebe Frankens ist. Vor allem aber, weil dieser Wein auf dem Boden geblieben ist: Christian Stahl bringt das Terroir ins Glas: trocken, mineralisch und mit ausgewogener, nie aufdringlicher Frucht. Der passte zur kühlen, fruchtbetonten Ceviche von der Forelle, die, wie auch das Kaninchen, von unserem Weinmahleins-Partner Havelland kam.

Pascal Kuhnert und Manuel Rosier sind die beiden Sommeliers, die im Schwein solch charmante Weine kuratieren, ohne sich in eine steife Kennerschaft zu steigern. Wir empfehlen ihren Geschmacksverstand für einen lauen Sommerabend in der Elisabethkirchstraße. Wer indes noch mehr von Christian Stahl erleben möchte: Auf halber Strecke von Berlin in den Süden findet man nicht nur den Winzerhof Stahl, sondern auch sein 15 Plätze kleines, ziemlich großartige Fine-Dining-Lokal.

Das nächste Weinmahleins präsentiert von Priceless Berlin findet im Golvet statt. Alles weiter im nächsten tip Berlin – ab 26. Juli hier.

Text & Fotos: Clemens Niedenthal

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