Museum der Zukunft

Im Strom von Humboldt

Drei Ausstellungen geben schon mal eine Idee davon, wie das Innenleben des Humboldt Forums einmal aussehen könnte. Und alle drei sind sehr sehenswert

Foto: Dorin Alexandru Ionita

Foto: Dorin Alexandru Ionita

Alte Tonpfeifen sind in der Vitrine zu sehen, darüber das Foto eines Totenschädels. Zwei Schneidezähne sind ganz abgewetzt. Merkwürdig. Das kommt von diesen Pfeifen, erfährt man über den Audioguide. Vor allem die armen Leute rauchten gern und viel, um mit dem Nikotin den Hunger zu unterdrücken. Um dann irgendwann durch die bis auf die Nerven abgewetzten Zahnstümpfe unerträgliche Zahnschmerzen zu bekommen.
Es kann nicht einfach gewesen sein, wenn man zwischen 1650 und  1800 in Berlin lebte. Diesen Zeitraum deckt der erste Teil der Ausstellung „Schloss.Stadt.Berlin“ (Foto) ab, und lässt ihn mit Modellen, alltäglichen Exponaten und guten Erklärungen lebendig werden. So spielen neben Kurfürst Friedrich Wilhelm auch der Alchemist Johannes Kunkel und die Brandschutzverordnung eine Rolle. Eingerichtet hat die Schau das Stadtmuseum, geleitet von Paul Spies, der dann auch die Berlin-Ausstellung im Humboldt  Forum verantworten wird. Man kann also durchaus sagen, dass man momentan im Ephraim-Palais schon einen Blick in das Museum der Zukunft werfen kann. Und das überzeugt. Spies versteht es, sowohl mit traditionellen Exponaten zu erzählen, als auch neue Medien mit einzubeziehen, zum Beispiel Filme  über die Schloss-Sprengung  und die Eröffnung des Palastes der Republik.
Kielschwert und Muschelkette
Sehr viel direkter auf das große Vorhaben Humboldt Forum zielt die Ausstellung in der Humboldt-Box. Dort wird an der nach Alexander von Humboldt benannten Meeres­strömung entlang erzählt: Von Humboldts Forschungsexpeditionen, von der Sammlungsgeschichte der Berliner Museen, von dem Naturphänomen El Niño. Aber auch vom Klimawandel, vom Müll im Meer, und von der Verantwortung der Menschheit für den blauen Planeten.
Auch hier ist es wieder Prinzip, die Exponate zum Sprechen zu bringen. Auf einem interaktiven Bildschirm kann man weitere Informationen zu den einzelnen Stücken in der Vitrine  bekommen  – zum Kielschwert, zum in Alkohol eingelegten Seehecht, zur Halskette aus Muscheln – und erkennt Verbindungen unter ihnen, beispielsweise, weil derselbe Forscher sie nach Berlin gebracht hat.
Und noch eine aktuelle  Ausstellung  ist nach diesem Prinzip gebaut. In „Der Britische Blick“ präsentiert Neil MacGregor, Chef der Gründungsintendanz des Humboldt Forums,  jetzt die deutsche Geschichte in 200 Exponaten. Hier hängt Dürers „Melencolia“, dort steht ein VW Käfer, da eine Skulptur von Barlach, dort ein Neoprenanzug zur Republikflucht. MacGregor hatte schon früher, als Direktor des British Museum, Zusammenhänge exzellent über Einzelstücke erklärt.

Schloss. Stadt. Berlin Museum Ephraim-Palais, Poststr. 16, Mitte, Di, Do–So 10–18 Uhr, Mi 12–20 Uhr, 24.12.+1.1. geschlossen, 25.+26.12., 1.1. 14–18 Uhr, 8, erm. 6 €, bis 23.4.17

Extreme! Humboldt Box, Schlossplatz 5, Mitte, tgl. 10–18 Uhr, 24.12. geschlossen, 31.12. 10–14 Uhr, bis 26.2.17, Eintritt frei

Der Britische Blick Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstr. 7, Mi–Mo 10–19 Uhr, 24.+31.12. geschlossen, bis 9.1.17, Eintritt 11, erm. 8 €

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