Kommentar

„Immersive Welle“ von Max Müller

Ist das noch Kunst? Auf diese Frage hat Sophie Goltz, Kuratorin des Rechercheprojekts „Conditions of Political Choreography“, das im Neuen Berliner Kunstverein gezeigt wird, eine dezidierte Antwort: Ja, ist es.

Dabei spricht einiges dagegen: Das Programm, bestehend aus Performances, Diskussionen, Screenings, Konzert und Kongress hat Festivalcharakter. Klassische Exponate fehlen, einzig Performance-Requisiten werden ausgestellt. Nur ein fester Raum und die Interaktion mit selbigem bestehen noch. Doch reicht das? Die Frage, die dahinter steckt, ist eine klassische: Wie legen wir Genres fest? Wo verlaufen die Grenzen?
Keine Frage hingegen ist, dass Berlins Kulturszene auf der immersiven Welle reitet. Im Theater ist dieser Trend schon seit langem en vogue. HAU und Berliner Festspiele, Volksbühne und Schaubühne durchmischen Schauspiel, Performance- und Installationskunst mit Popkultur. Und das Argument mit dem Raum zählt für mich persönlich nicht: Eine Inszenierung an einem absolut ausgefallenen Raum, sagen wir verlassener U-Bahnhof, kann immer noch spießbürgerlichstes Theater sein, während ein multimediales Werk aus Sound, Kulisse, Schauspiel und irrem Regisseur, wie Vegard Vinge es im „institutionalisierten“ Prater zeigte, kein größeres Gesamtkunstwerk sein könnte. Vielleicht ist die Frage danach, was Kunst ist, was wir in welches Genre packen, am Ende gar nicht so wichtig. Wichtig sind die Arbeiten und deren Wirkung. Und das ist alles, was zählt, egal auf welcher Welle wir gerade reiten.