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„In the Grey“ von Guy Ritchie ist ein Endpunkt des Actiongenres

Einmal bemüht Guy Ritchie den ganzen Zinnober von Handkantenschlägen bis Hubschraubereinsatz noch, prominent besetzt mit Jake Gyllenhaal und Henry Cavill. tipBerlin-Filmkritiker Bert Rebhandl findet, dabei sollte der Regisseur es auch belassen
Text: Bert Rebhandl
Veröffentlicht am: 20.05.2026
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Jake Gyllenhaal in Guy Ritchies Actionfilm „In The Grey“. © Leonine Studios

Guy Ritchie war ein einmal ein Erneuerer des Action-Genres. Seine Filme waren slick, nahmen sich nicht allzu ernst, und holten aus der modernen Technik alles heraus, was sich für eine dynamische Filmsprache so aufbieten ließ. Jetzt aber geht er mit „In the Grey“ an die Grenze seines Metiers. Denn eigentlich kann man diese Geschichte nur so lesen, dass sich die wahren Probleme mit Handkantenschlägen, Maschinengewehrfeuer, Hubschraubereinsätzen, Bombenangriffen und schnellen Autos nicht mehr lösen lassen. Im Mittelpunkt steht eine Frau namens Sophia (Eiza González), die auf sehr hohem Niveau Geld eintreibt für Firmen, die in großem Stil betrogen wurden.

„In the Grey“: Es geht um das Verhältnis zwischen Kapital und Action

Im konkreten Fall geht es um die leicht merkbare Summe von einer Milliarde Dollar, die ein Geschäftsmann namens Salazar verschwinden hat lassen. Sophia arbeitet mit den beiden Fachleuten Sid (Henry Cavill) und Bronco (Jake Gyllenhaal), die mit ihren Teams das ganze Repertoire von modernen Söldneraktionen beherrschen: hochdigitalisierte Kommandoaktionen, die jeweils eine physische Ebene haben („Wir gehen rein! Wir gehen raus!“), und eine informationelle. Sophia gelingt es auch, wie zu erwarten, Salazar das Handwerk zu legen. Aber Salazar ist eben nur eine große Nummer auf einer systemisch relativ uninteressanten Ebene. Eine Milliarde Dollar sind eine Menge Geld, für das Kapital an sich aber ein Rundungsbetrag.

Und um das Verhältnis zwischen Kapital und Action geht es in „In the Grey“. Das macht den neuen Thriller von Guy Ritchie einerseits sehr interessant, allerdings wirkt dadurch die Handlung im Kern, die eben nicht viel mehr als einen routinierten, aufgrund der Darsteller:innen einigermaßen coolen Action-Film ausmacht, umso unerheblicher. In einer Schlüsselszene, in der es darum geht, die weltweiten Aktivitäten von Salazar durch Gerichte zu stoppen, lässt Ritchie ein und dieselbe Richterin eine Pfändung nach der anderen vornehmen (und jeweils mit dem Justizhammer bekräftigen) – eine lächerliche Verkürzung, die umso stärker ins Gewicht fällt, als „In the Grey“ hier die Ebenen berührt, auf die es eigentlich ankommt. Im Grunde dürfte Guy Ritchie nun nie wieder den ganzen Apparat des Actiongenres in Bewegung setzen, weil er ja jetzt selbst gesagt hat: Das ist alles nur Leerlauf. Für die Action des Kapitals braucht es andere Erzählungen. Da ist Grips die entscheidende Waffe. Und die neuen Genres für diese Themen müssen erst noch entwickelt werden.

In the Grey GB/USA 2026; 98 Min.; R: Guy Ritchie; D: Jake Gyllenhaal, Henry Cavill, Eiza González; Kinostart: 21.5.


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