Kino & Film in Berlin

„Interstellar“ im Kino

Hinter dem Bücherregal mit Matthew McConaughey ins Schwarze Loch: Der neue Film von Christopher Nolan.

Interstellar

Eigentlich sind die ersten vierzig Minuten von Christopher Nolans Science-Fiction-Abenteuer „Interstellar“ die interessantesten. Da spielt die Geschichte noch auf der Erde, und die Menschen haben nachvollziehbare ernste Probleme: Immer häufiger brechen gewaltige Sandstürme über die Bewohner herein, viele Agrarprodukte können nicht mehr angebaut werden, der Planet wird zusehends unbewohnbar. In aller Kürze entwirft Nolan in einer Reihe von exzellenten Miniaturen, die im Grunde lediglich der Etablierung der Charaktere dienen, eine Welt zwischen tatkräftigem Pragmatismus und einer bereits leicht ins Totalitäre lappenden Hoffnungslosigkeit offizieller Stellen.
Doch dann saust die Rakete holterdiepolter ins Weltall, mit dem Farmer und Ex-NASA-Piloten Cooper (Matthew McConaughey) am Steuer, und schon geht es ums Ganze: große ethische Fragen (Evakuierung der gesamten Menschheit vs. Koloniegründung), aufgehängt an Überlegungen zur Relativitätstheorie. Wie funktioniert noch mal gleich die Raum-Zeit-Krümmung in einem Wurmloch? Und wie immer, wenn amerikanische Blockbuster philosophisch werden, sind Prätention, Schwulst und unfreiwillige Komik (rein ins Schwarze Loch, raus hinterm Bücherregal der Tochter) nicht weit, dazu orgelt einem der Hans-Zimmer-Soundtrack gnadenlos das Trommelfell aus den Ohren. Die gut geschriebenen Figuren bleiben mit ihren unterschiedlichen menschlichen Problemen übrigens immer interessant, aber man muss sie suchen im alles unter sich begrabenden Bombast.

Text: Lars Penning

Foto: Melinda Sue Gordon / 2014 Warner Bros. Entertainment Inc. and Paramount Pictures Corporation

Orte und Zeiten: „Interstellar“ im Kino in Berlin

Interstellar, USA 2014; Regie: Christopher Nolan; Darsteller: Matthew McConaughey (Cooper), Anne Hathaway (Brand), Jessica Chastain (Murph); ?169 Min.

Kinostart: Do, 06. November 2014

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