Kino & Film in Berlin

Interview mit dem „deutschen Beatle“ Klaus Beyer

Der Kreuzberger Kerzenwachszieher Klaus Beyer ist bekannt als der der "deutsche Beatle" und seit den 80er-Jahren ein Darling der (West-)Berliner Subkultur. Wir sprachen mit dem exzentrischen Künstler über Leben, Musik, Stadt und seine Zusammenarbeit mit Christoph Schlingensief.

Interview mit dem

Kreuzberg im Jahre 2014. Die Ankerklause. Kottbusser Damm/Ecke Maybachufer, ein Nachmittag an einem Donnerstag, daher also marktfrei und entsprechend ruhig. Es ist warm, an einem Tisch draußen sitzen Frank Behnke und Klaus Beyer und trinken Kaffee. Der Autor, Filmemacher und Dozent Frank Behnke gründete in den mittleren 80er-Jahren mit Max Müller und Florian Koerner von Gustorf die bekannte Berliner Diskurspopgruppe Mutter, in der er bis 2002 Gitarre spielte. Er lebte lange in den USA und unterrichtet mittlerweile an der Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb). Seit den 80ern ist Behnke zudem Klaus Beyers Manager, Herausgeber und Agent in Personalunion. Beyer, ein gebürtiger Kreuzberger und gelernter Kerzenwachszieher, ist bekannt als der „fünfte“ bzw. der „deutsche Beatle“ und ein Darling der (West-)Berliner Subkultur. Er hat das Gesamtwerk der Beatles ins Deutsche übertragen, eingesungen und veröffentlicht, er dreht obskure Kurzfilme im eigenen Wohnzimmer, die auch schon bei der documenta zu sehen waren, er spielte in Filmen von Georg Maas, Jörg Buttgereit und anderen mit und gehörte über zehn Jahre zum festen Ensemble des Theaterrebellen und Enfant terrible des deutschen Kulturbetriebs, Christoph Schlingensief. Mit dem reiste er nach Afrika ebenso wie zu den Wagner-Festspielen nach Bayreuth. Über Beyers Werk erschienen Bücher und Dokumentarfilme. Vom 24. bis 27. Oktober würdigt den 62-Jährigen eine Werkschau im Regenbogenkino.

tip Herr Beyer, Sie sind 1952 in Kreuzberg geboren. Wo genau haben Sie gelebt?
Klaus Beyer Erst in der Gegend am Schlesischen Tor, da haben wir in der Skalitzer Straße gewohnt, aber dann gut 40 Jahre in der Reichenberger Straße, in der Wohnung habe ich bis 2012 gelebt. Das war immer sehr turbulent in Kreuzberg, turbulent und laut. Allerhand Leute liefen da herum. Die Verkehrsanbindung war gut, aber vor zwei Jahren bin ich nach Lichtenrade gezogen und finde es sehr schön dort.

tip Die Beatles sind für Sie sehr wichtig, wie haben Sie die Band entdeckt?
Klaus Beyer Ende der Sechzigerjahre war das. Da habe ich immer die Sendung „Schlager der Woche“ gehört, die lief im Radio auf RIAS. Normalerweise hat da ein Interpret immer nur ein Lied gebracht, die Beatles aber zwei, und das hat mich so fasziniert, dass ich Beatles-Fan geworden bin.

tip Welche beiden Songs waren das?
Klaus Beyer Das waren „Here Comes The Sun“ und „Oh! Darling“.

tip Davor haben Sie andere Musik gehört?
Klaus Beyer Deutsche Schlager habe ich viel gehört und noch vor den Beatles habe ich mich für die Bee Gees interessiert.

tip Erinnern Sie sich noch an die erste Platte, die Sie gekauft haben?
Klaus Beyer Die kannte ich auch aus „Schlager der Woche“, das war David Garricks Single „Don’t Go Out Into The Rain“, da bin ich auch drauf hängen geblieben. Das war meine erste Platte als Jugendlicher, die habe ich in einem kleinen Plattenladen in der Adalbertstraße gekauft. Die Beatles kamen unmittelbar später.

tip Angeblich haben Sie angefangen, die Beatles-Platten auf Deutsch einzusingen, weil Ihre Mutter kein Englisch verstand?
Klaus Beyer Na ja, nicht ganz. Ich habe damals in unserer Wohnung die Beatles gehört und meine Mutter hat gefragt, was die da singen. Und da habe ich es ihr nur kurz gesagt, was es auf Deutsch heißt. Die Texte übersetzt habe ich für mich selbst. Dann habe ich mich gefragt, was meine Freunde zu den Übersetzungen sagen, und die waren ganz zufrieden, und so ist es weitergegangen.

tip Sie konnten damals schon so gut Englisch, dass Sie die Songs übersetzen konnten?
Klaus Beyer Zu Anfang habe ich ein Wörterbuch benutzt und dann Wort für Wort übersetzt. Jetzt kann ich alles selber übersetzen, ohne Wörterbuch. Es ist perfekter geworden.

Klaus Beyer

tip Mittlerweile haben Sie sämtliche Beatles-Alben auf Deutsch veröffentlicht. Haben Sie immer alles alleine gemacht: Aufnahmen, Gesang, Übersetzungen, die gesamte Produktion?
Klaus Beyer Genau, das habe ich alles allein gemacht. Ich habe zwar versucht, einige meiner Freunde dafür zu begeistern, aber die haben keine Zeit gehabt und da ist mir nichts anderes übrig geblieben, als es allein zu machen.

Lesen Sie weiter über Klaus Beyers Wohnzimmerproduktionen, sein erstes Konzert, das in einer Katastrophe endete und die Zusammenarbeit mit Wolfgang Müller, Georg Maas und Jörg Buttgereit.

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