Theater und Bühne in Berlin

Interview mit der Stadtführerin Dagmar Lutz

Wir sprachen mit ihr über den geheimnisvollen Weddinger Knall und Touren durch bekannte und weniger bekannte Orte.

tip Frau Lutz, am 28. Mai startete Ihre erste „Geheimtour“, die Interessierte an „magische Orte“ führt. Welche Orte in Berlin verdienen das Attribut „magisch“?
Dagmar Lutz Magische Orte sind Orte, die einen zeitlosen Zauber verbreiten. Sie befinden sich häufig an Schnittstellen zwischen Gestern und Heute, sind einmal positiv, einmal negativ besetzt. Magie entsteht aber durchaus auch dort, wo Natur und Stadt aufeinander prallen. Um andere magische Orte, die wir besuchen wollen ranken sich Geschichten, die Rätsel auf geben, die Geheimnisse und Phänomene aufweisen, die einen gewissen Hintersinn haben und so der Interpretation freien Raum lassen. Wir sind ständig auf der Suche nach solchen Orten in Berlin : Fündig sind wir bereits bei U- und S- Bahn geworden, aber auch im Flughafen Tempelhof. Auch manch ein Interieur in Berlin transportiert die Teilnehmer von der Straße mit großstädtischem Trubel in eine Zauberwelt, dabei ist es gleichgültig, ob es sich um einen Laden, eine Kneipe, einen Biergarten, ein Hotel, ein Kino oder eine Wohnung handelt. Weitere magische Orte sind u.a.  Tanzsäle der 20er Jahre, die heute verlassen sind und ihren ursprünglichen Charme bewahrt haben, wie glücklicher Weise auch noch andere ruinöse Stätten, die noch nicht den Investoreninteressen geopfert wurden.

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Das Konzept der „Geheimtour“ hebt sich von Ihren übrigen Führungen ab. Was genau erwartet die Teilnehmer?
Dagmar Lutz BerlinOmotion ist ein Wanderrestaurant und Kunstwinkel. Der Treffpunkt befindet sich  irgendwo in der Stadt. Er wird im Internet komuniziert. Los geht es zu einem geheimen Ort, der immer auch etwas zu erzählen hat. Auf dem Weg dorthin wird das Ziel bei einer kleinen Führung vorbereitet. Beispielsweise outet sich der Fichtebunker als ursprünglicher Gasometer auf dem Weg durch die Gasbeleuchtung, die in elektrische  Beleuchtung umgewandelt wurde, was das Aus des Gasometers bedeutete.?Am Ziel angekommen, wartet nach der Führung in völlig unerwartetem Ambiente ein  passendes Dinner und ein darauf abgestimmtes Kulturprogramm auf den Teilnehmer. Nachdem es sich bei den ausgewählten Orten um etwas ganz Spezielles handelt, kann man beim Genuss von einem mindestens dreigängigen Menü diesen Ort über alle Sinne einmal ganz anders erfahren wird.

tip Welche andere Touren bieten Sie an?
Dagmar Lutz „Kontraste in Kreuzberg“: gut und böse, alt und neu, friedlich und anarchisch und
natürlich mit besonderem Augenmerk für süß und sauer….Die Führung vom Südstern bis zur Markthalle 9  führt durch einen der konstrastreichsten Bezirke Berlins. Auch in Mitte gibt es eine Tour: „Damals und Heute, Licht und Schatten“. Vom Alexanderplatz geht es  in die Torstraße, dem neuen Ausgehviertel von Berlin, dann zum Nordbahnhof und zur Gedenkstätte Berliner Mauer. Und last but not least: „Chaos und Struktur“. Friedrichshain, der neue Partybezirk im Osten bietet heute vieles, was Kreuzberg im Westen über Jahrzehnte an alternativer Kultur. Die Führungen finden in Deutsch und Italienisch statt.

tip Seit wann führen Sie durch die Stadt?
Dagmar Lutz Ich führe erst seit Anfang Mai durch die Stadt – leider, da die Vorbereitung vor allem der Werbemittel reichlich Zeit in Anspruch genommen hat.

tip Trotz einer Einwohnerzahl von mehr als 3 Millionen Menschen, die gefühlt pausenlos durch die Straßen wuseln, birgt Berlin noch immer medienwirksame Geheimnisse. Wie lautet Ihre Theorie zum „Weddinger Knall“?
Dagmar Lutz Also so viel, ein Erdbeben scheint es mir nicht zu sein. Ich habe in Italien und Griechenland mehrere Erdbeben mitbekommen. Geknallt hat da nichts. Schade, dass ich das bisher Geräusch noch nicht hören durfte. So diffus, wie die Aussagen sind, könnte der Knall durchaus unter der Erde stattfinden. Vielleicht ist es eine noch nicht bekannte unterirdische Überschallstrecke von Mitte nach Tegel, um die Politker in Windeseile an die Brennpunkte  dieser Welt zu schaffen, was bisher eher schleppend funktioniert. Klar ist, dass die BVG dann keine Auskunft erteilt. Oder auch denkbar: Ufos landen regelmäßig auf dem Flakturm Humboldthain, sprengen dort Teile raus und transportieren sie weg, um in der Galaxie einen Bunker zu bauen. Vielleicht sind es aber auch nur Sprengungen, die nicht bekannt werden dürfen und demnächst stürzt ein Teil von Wedding ein.

Interview: Ronald Klein

Foto: Dagmar Lutz

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