Designer für Kinder

Interview mit Katja Runge über Gestaltung für Kinder

Kinder entwickeln sich ständig weiter, ändern ihre ­Interessen und wachsen sowohl aus ihren Kleidern als auch Möbeln schnell heraus. Trotzdem kein Grund, sie mit Wegwerfprodukten ­abzuspeisen.

Interview mit Katja Runge über Gestaltung für Kinder

Katja Runge bringt auf ihrer Internet-Plattform Afilii Designer, Händler und Produzenten zusammen, die sich für gelungene, kindgerechte Gestaltung – nicht nur von Kindermöbeln – einsetzen. Außerdem gibt die gelernte Journalistin ein Online-Magazin zur gleichen Thematik heraus.

tip Frau Runge, in deutschen Kinderzimmern scheinen Prinzessinnen- und Drachen-Motive auf Spanplatten-Möbeln zu dominieren. Mit guter Gestaltung, Wertigkeit oder gar Nachhaltigkeit hat das oft wenig zu tun. Stimmt dieser Eindruck?
Katja Runge Ich glaube, es wird immer Eltern geben, die ein Prinzessinnenzimmer für eine gute Idee halten, was es tatsächlich nur für eine kurze Zeit ist.  Aber es gibt auch immer mehr Eltern, die sich sehr bewusst überlegen, was sie anschaffen, wie das aussieht und wie lange diese Produkte dann im Kinderzimmer verwendet werden.

tip Sind das Eltern aus kreativen Berufen?
Katja Runge Designer sind sicher prädestiniert, sich über gute Gestaltung Gedanken zu machen. Aber eigentlich ist es der Nachhaltigkeitsgedanke und der Wunsch nach längerer Nutzung, der viele Eltern, auch aus ganz anderen Berufen, beim Kauf von Kindermöbeln umtreibt.

tip Welche Möbel sind da besonders gefragt?
Katja Runge Betten, die mitwachsen, Schreibtische, die über die komplette oder zumindest die halbe Schulzeit genutzt werden können, aber auch Hocker, die gleichzeitig Spielmöbel sind oder später als Stauraum fungieren können.

tip Diese Möbel finden sich nicht unbedingt im Discounter?
Katja Runge Richtig. Das, was es heute bereits an guten, mitwachsenden Möbeln und Spielprodukten gibt, wird oft in kleiner Auflage in Deutschland und Europa hergestellt. Oft zudem in Manufakturen. Man schont beim Kauf von langlebigen Möbeln nicht nur Ressourcen, sondern unterstützt auch lokales Handwerk und Arbeitsplätze.

tip Klingt gut, aber teuer.
Katja Runge Diese Sachen sind sicher teurer als im skandinavischen Möbelhaus. Aber sie werden auch länger genutzt, können hinterher noch verkauft, verschenkt oder eben auch vererbt werden. „Enkelfähigkeit“ ist das Wort, das das Denken über eine Generation hinaus beschreibt, und da zahlt sich bessere Verarbeitung und Gestaltung aus.

tip Sehen das die Kinder auch so? Freuen die sich auch über gute Gestaltung und Langlebigkeit? Oder wollen Sie das Neue, Bunte – was alle anderen haben?
Katja Runge Es muss nicht immer alles neu sein, da kommt uns die Sharing-Gesellschaft in Berlin sehr entgegen. Und gute Kindermöbel sollen generell nicht steril oder gar düster sein, sondern kindgerecht und farbenfroh.

tip Also keine Bauhaus-Sachlichkeit im Kinderzimmer?
Katja Runge Eher nicht – weil die erwähnte Sachlichkeit eine Erfindung von Erwachsenen für Erwachsene ist. Was wir auf der Afilii-Plattform zeigen, muss als erstes jedoch funktional für Kinder sein und ihren Bedürfnissen gerecht werden – wir sprechen auch von der Spielfähigkeit der Kindermöbel. Und Kindermöbel sollten auch mal einen Buntstift oder einen Aufkleber vertragen können. Wir gucken nicht primär, ob das Design den Eltern gefällt. Aber umso besser, wenn es ihnen auch gefällt.

dreiklang – modularer Kindersessel von yupita (3+)
dreiklang – modularer Kindersessel von yupita (3+) Foto: afilii

tip Mitwachsende Betten, Schreibtische und modulare Spielmöbel scheint es mittlerweile ja einige zugeben – was fehlt?
Katja Runge Leuchten. Es gibt definitiv zu wenig gute Kinderleuchten. Das ist eine echte Lücke. Aber da immer mehr Designer Eltern werden, bin ich zuversichtlich.

Interview: Iris Braun

Weitere Informationen auf www.afilii.de

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