Allgemein

Interview mit Maral Salmassi

2003 starb Christian Morgenstern, ein Pionier elektronischer Musik. Seine damalige Lebensgefährtin, Musikerin und Label-Inhaberin Maral Salmassi, veröffentlicht den Backkatalog inklusive neuer Remixe auf Vinyl und ebenso als Download.

Maral, lange Zeit war die Musik von Christian Morgenstern nicht erhältlich. Was war die Initialzündung, seinen Backkatalog wieder zur Verfügung zu stellen?
Nach Christians Tod 2003 habe ich die Techno-Szene für mehrere Jahre verlassen und konnte mir auch seine Musik nicht mehr anhören. Als ich 2015 von Paris nach Berlin zurückkehrte, packte ich mehrere Kisten aus, in denen seine DATs verwahrt waren. Zuvor hatte ich immer wieder Anfragen erhalten, ob der Back-Katalog nicht digital zur Verfügung gestellt werden konnte, denn außer ein paar alten Tonträgern – vornehmlich Vinyl – war die Musik nicht mehr erhältlich. Ich hatte mein Label Konsequent eingestellt, Heiko Laux ging mit Kantleramt pleite und Christians Eltern wollten seine Plattenfirma Forte ebenfalls nicht mehr fortführen. Aus dem Grunde habe ich mich entschlossen, die alten Tracks digitalisieren und in der Schweiz remastern zu lassen. Daraus entstand die Idee einer Maxi-Reihe, die neben den originalen Tracks auch die Remixe von zeitgenössischen Producern enthält.

Den Prozess des Remasterings diskutieren einige Puristen sehr kontrovers, da dadurch die originale Atmosphäre zerstört werde.
Im Netz kursierten einige Zeit Flac-Files von Liebhabern, die versucht haben, Christians Sound zu modernisieren. Das war rührend, aber vom Klang her nicht befriedigend. Von daher war das Remastering unbedingt notwendig. Der raue Sound der Original-Tacks bleibt natürlich erhalten. Aber die Tracks waren damals auf Vinyl zugeschnitten, das heißt, sie waren einfach leiser und im Bassbereich etwas schwächer auf der Brust. Frequenzen unter 25 Hertz waren technisch nicht machbar.

Unter den Remixern befinden sich auch junge Künstler. Wussten sie, welche Bedeutung Christian Morgenstern für die Entwicklung elektronischer Musik hat?
Ich war positiv überrascht, dass sämtliche Kollegen Christians Musik kannten, obwohl manche deutlich jünger sind als wir. Viel Überzeugungsarbeit für einen Remix war nicht nötig, denn sie waren sofort Feuer und Flamme.

Neben den auf 300 Stück limitierten Vinyl-Platten gibt es sieben Unikate in Form einer Box, die von Thomas Scheibitz handgefertigt wurden. Wie kam es zu diesem besonderen Format?
Die Wiederveröffentlichung sollte unbedingt zelebriert werden. Auch mit diesem besonderen Format. Thomas ist sehr musikinteressiert, der einen – wie ich finde – sehr progressiven Zugang hat, die man im weitesten Sinne als „koordinierte Respektlosigkeit“ bezeichnen kann. Die Bewunderung und Idolisierung sind ihm suspekt, weil diese den Blick auf das Werk als solches blockiert. Er hat einen sehr unbedarften Zugang, denn er kannte die Musik nicht von früher, aber hatte sofort einen Zugang, nachdem ich ihm die Musik geschickt hatte. Jede seiner von ihm handgefertigten Boxen ist ein Unikat zwischen einer Künstleredition und einer Skulptur. Das Artwork der Platten ist von Nathan Baker, wenn man alle Platten nebeneinander stellt, entsteht ein Gemälde, das wiederum in der Skulptur von Thomas Scheibitz enthalten ist.

Interview: Ronald Klein

Sprüth Magers, Oranienburger Straße 18, Mitte, Sa 18.3., 18 Uhr (Vorstellung der Box-Edition und Gespräch mit u. a. Maral Salmassi), anschließend Konsequent Label Night (u. a. mit Mouse on Mars) im about://party, Markgrafendamm 24c, Friedrichshain, ab 23.59 Uhr

Kommentiere diesen Beitrag

Kommentiere diesen Beitrag

Kommentare