Fleischers Blues

Interview mit Volker Hauptvogel

Er war Punk, Gastronom, Schauspieler und Kiez-Größe und hat mit "Fleischers Blues" ein amüsantes Sittenbild der Mauerstadt geschrieben. Ein Gespräch mit Volker Hauptvogel über West-Berlin, Politik, Flammkuchen, Schalmeienchöre und vieles mehr.

Interview mit Volker Hauptvogel

Volker Hauptvogel
lehnt am Geländer auf der Kottbusser Brücke. Eine rauchende, imposante Erscheinung. Gerade kommt er von einem Filmdreh, Underground, ohne Budget und ohne Gage versteht sich. Es ging um ein verschollenes Münchener Kartoffelsalatrezept, was lustiger klingt, als es wohl war, denn die Story ist ziemlich tragisch. Gedreht wurde in Kreuzberg. Hier ist Hauptvogel zuhause, hier wird er erkannt, hier kam er 1976 an, tauchte im Künstler- und Politmilieu ab, dealte, soff, trieb Unzucht, machte Aktionen. Er gründete Mekanik Destrüktiw Komandöh (MDK), die als erste Punkband Berlins gilt. Er drehte Splatterfilme mit Jörg Buttgereit, spielte Theater, schrieb 1983 sein erstes Buch und wurde viel beachteter Gastronom. Erst mit dem „Pinguin“, einer Bar in Schöneberg, dann mit dem „Storch“, einem Restaurant, wo es Berlins besten Flammkuchen gab. Jetzt hat er mit „Fleischers Blues“ sein West-Berlin-Buch geschrieben. Einen Roman über den Kriegsdienstverweigerer Fleischer, der kiffender Weise den Mädchen, den Abenteuern und der Revolution nachjagt. Fiktiv also und wohl doch ziemlich nah an der Wahrheit, irgendwie aber am Ende semi-autobiografisch. „Fleischers Blues“ ist ein fassadengraues und smoggelbes, aber stets lebensbejahendes Sittenbild der Mauerstadt zwischen Eckkneipe und Risiko, zwischen Rausch und Radikalität, zwischen Durchsteckschlüssel, Kachelofen, SO36 und Baerwaldbad. Wir trafen Volker Hauptvogel, um mit ihm über sein Buch und sein Leben zu sprechen.

tip Herr Hauptvogel, erinnern Sie sich an Ihren ersten Tag in West-Berlin?
Volker Hauptvogel Klar. Das war im Sommer 1976. Schönster Sonnenschein. Der Ford Transit war vollgepackt mit Stereoanlage, Schallplatten und ein paar Unterhosen. Gelandet bin ich in der Neuköllner Bürknerstraße, gleich ums Eck von Kreuzberg.

tip Warum Berlin?
Volker Hauptvogel Wohin sonst? In Deutschland gab es keine Alternative. Ich war ja damals schon etwas in der Welt rumgekommen. Ein halbes Jahr war ich in den USA, ich hab LKWs von Frankfurt nach Persien gefahren. Solche Sachen halt. Danach kannst Du nicht mehr zurück nach Bremerhaven gehen. Da blieb nur Berlin. Der Wehrdienst, wie im Buch beschrieben, war also nicht der wahre Grund. Ich war nämlich schon vorher für untauglich erklärt worden. „Leistungsfunktionsstörung“ hieß es. Geistig oder körperlich ist die bis heute unbeantwortete Frage. Ich musste also nicht nach West-Berlin. Ich wollte nach West-Berlin. Alles was anarchistisch, links und Gegenkultur war, hatte sich da versammelt. Das wusste ich  von Freunden, aus Berichten und von diversen Stippvisiten, die ich mit meinem Freund Edgar vorher schon gemacht hatte. Berlin war ein Mythos.

tip Wie politisiert war diese Stadt damals tatsächlich?
Volker Hauptvogel Sie war unglaublich politisiert. Alles. Durch und durch. Alles wurde immer und überall  auf den Prüfstand gestellt. Alles wurde auf eine gnadenlose, oft auch destruktive Art und Weise ausdiskutiert und infrage gestellt. Parlamentarismus war keine Alternative. Und gewählt haben die Leute in Kreuzberg  eigentlich kaum. Es gab zwar die SEW, die „Sozialistische Einheitspartei Westberlins“, aber das waren Spießer. Ich  erinnere mich, dass die irgendwo in einem Haus an der Hasenheide, wo ich ab und zu mit Dope getickt habe, mit ihrem Schalmeienchor geübt haben. Einmal kamen die Bullen und wollten alle festnehmen. Wer nicht in die Wanne kam, wurde um eine große Eiche herum angebunden. Da ist dann der Schalmeienchor heruntergekommen und hat die Bullen vertrieben und die Leute gerettet. Ausgesprochen komisch das Ganze.

tip War Kreuzberg damals schon das Epizentrum der Szene?
Volker Hauptvogel Nicht unbedingt. Es war auch eher Zufall, dass ich hier gewohnt habe. Hätte ich eine Wohnung in Charlottenburg oder Schöneberg bekommen, wäre ich dort gelandet. Aber Kreuzberg war schon damals wichtig. Die ersten Stadtteilgruppen und Bürgerinitiativen, die sich zum Beispiel gegen den Ausbau der Westtangente organisiert haben, kamen  aus Schöneberg. Die Schlacht am Tegeler Weg war auch nicht in Kreuzberg. Es gab damals ja noch viel weniger Kneipen, wo man als Langhaariger hingehen konnte. Da war man schnell ein böser Kommunist. In Kreuzberg gab es zu der Zeit vielleicht fünf Kneipen, wo man hingehen konnte. Den Trampelpfad hoch über Schöneberg bis hinten nach Charlottenburg waren gab es dann zusammen vielleicht zehn oder fünfzehn. Na ja, vielleicht zwanzig oder fünfundzwanzig. Mehr definitiv nicht. In ganz Berlin! Heute schwer vorstellbar.

tip Im Buch lernt Fleischer recht schnell die Freaks und Künstler kennen. War es bei Ihnen auch so?
Volker Hauptvogel Das ging ziemlich schnell. Die Freaks waren ja immer offen für alles. Häufig war auch Dope der Schlüssel. Gemeinsam Hasch rauchen, auf Demos gehen, Leute kennenlernen, das ging in Nullkommanichts. Großartig war auch, dass ich damals viel mit meinem Freund Edgar unterwegs war. Kommunikation fiel uns leicht. Man nannte uns tatsächlich oft „die Zwillinge“. Und wenn man immer zusammen ist, ist man auch eine Art Macht. Auf jeden Fall fühlten wir uns so.

tip Neben Freaks und Politaktivisten, gab es damals in West-Berlin ja auch so richtige Originale.
Volker Hauptvogel Klar, viele. Bruno Schleinstein zum Beispiel,  der in dem Film „Jeder für sich und Gott gegen alle“ von Werner Herzog den Kaspar Hauser gespielt hat. Der wohnte bei mir um die Ecke und  manchmal hat er bei mir gebadet. Oder Jacky, der Rock’n’Roll-Gitarrist, der Bill Haley und die Beatles persönlich kannte. Den habe ich in der Neuen Welt kennengelernt. Wir sind ja auch in diese bürgerlichen Festsäle gegangen. Das war der Knaller.

Eine neue Künstlergeneration entstand. Hauptvogel und Genossen

tip In den 1980er-Jahren ging es dann los mit Leuten wie Wolfgang Müller und Blixa Bargeld. Eine neue Künstlergeneration entstand. Konnten Sie mit dem Begriff „Geniale Dilletanten“ etwas anfangen?
Volker Hauptvogel Als Geniale Dilletanten fühlten wir uns ja alle. Bei dem Festival der „Geniale Dilletanten“ im Tempodrom war MDK zwar nicht eingeladen, aber wir haben vorher da gespielt und auch später noch, bei der „Herbstoffensive“ oder bei „Black and White Unite“. Bei dieser Truppe um die Einstürzenden Neubauten herum waren wir eher nicht dabei. Aber Wolfgang Müller, der Die Tödliche Doris gemacht hat, der war überall dabei. Blixa dagegen war eigentlich völlig eigenständig und nirgendwo richtig zuordnebar. Wir waren eher die Politfraktion und die, die waren eher die Musiker. Alles zwar mehr oder weniger dilettantisch, aber genial.

tip MDK waren eine klassische Polit-Punkband, oder aus welcher Idee heraus habt Ihr die Band gegründet?
Volker Hauptvogel Die Initialzündung war der Punk. Wir haben die Sex Pistols im Radio gehört und dachten uns, wie geil ist das denn? Das wollen wir auch! Wir haben dann auch überall gespielt, bei Demos, Solidaritätsveranstaltungen, im sozialistischen Schüler- und Jugendzentrum und in fast allen besetzten Häusern. Neulich habe ich aber erfahren, dass wir eigentlich keine Punkband waren. In einem Beitrag des französischen Fernsehens aus dem Jahr 1981 wurden wir als Hardrock Band bezeichnet. Heute würde man Hardrock auch wieder anders verstehen. Tatsächlich haben wir damals auch gar keinen Punk gemacht, sondern Theater gespielt mit Musikunterlegung. Wir waren schnell, laut und gut. Na ja, vielleicht gar nicht mal so gut, aber sehr überzeugend.

tip Kurzzeitig hattet Ihr einen sehr jungen Mitspieler, der 13-jährige Alexander Hacke war dabei. Später wurde er mit den Einstürzenden Neubauten berühmt, angefangen hat er aber bei MDK. Wie kam es dazu?
Volker Hauptvogel Edgar und ich waren auf einem Konzert im Märkischen Viertel, weil wir mal schauen wollten, was die Jugend da so macht. Und da hat Alexander Hacke mit seiner Schülerband Blässe gespielt. „Roll Over Beethoven“ und so’n Zeug. Da dachten wir, den Mann brauchen wir. Der hat dann bei uns mal Gitarre gespielt und mal Schlagzeug, aber er war ja zehn Jahre jünger als wir, das war das Problem. Seine Eltern haben ihn meistens von den Proben abgeholt. Unser erstes Konzert mit ihm war dann der „Anarchistenball“ in der Ratiborstraße. Später waren wir mit „Sprung aus den Wolken“ und den „Neubauten“ auf der ersten „Zickzack“-Tour unterwegs in ganz Deutschland. Das hatte damals Alfred Hilsberg organisiert. Hacke hatte da aber auch schon bei  anderen Bands mitgespielt. Das war damals  so, dass man öfters einfach mal getauscht hat. Das war irgendwie ganz kreativ..

tip War Ihr Motto, alles mal machen, alles mal ausprobieren? Sie haben schon in den frühen 1980er-Jahren ein Buch geschrieben, in Filmen mitgespielt, Musik gemacht.
Volker Hauptvogel Alle haben immer verschiedenen Sachen gemacht. Nicht nur ich. Das hat ja auch Spaß gemacht. Man hat das eigentlich alles ohne ein konkretes Ziel gemacht. Man kam irgendwo hin, irgendjemand hat was gemacht und gefragt, ob man mitmacht und man sagte, klar mache ich mit. Das war damals so. Wenn sich fünf oder sechs Leute zusammentun, dann kommt da meistens am Ende Spaß bei raus. Ist doch gut. Wir verstanden uns allerdings auch alle eher als Arbeiter denn als Künstler. Wir waren eine Arbeiterband. Dachten wir.

tip Wobei Sie ja auch einen „richtigen Beruf“ hatten, Sie waren gelernter Schriftsetzer und haben beim Tagesspiegel gearbeitet. Passte das zusammen?
Volker Hauptvogel Das passte. Wir waren ja alle gewerkschaftlich organisiert und die Schriftsetzer waren traditionell politisch auch relativ weit links. Ich war beim Tagesspiegel in der Potsdamerstraße, nebenan war damals der tip. Da habe ich zum Beispiel auch Jörg Fauser kennengelernt. Allein schon durch die räumliche Nachbarschaft kam es zu ständigem Austausch. Und der tip war ja damals schon so eine Art  Meinungsmacher. Es gab ja die zwei Fronten bei den Stadtmagazinen, tip und zitty. Da hat kein zitty-Leser den tip gelesen und umgekehrt.

tip Bei Ihnen gehören Spaß und Politik immer zusammen. Das Cover von „Fleischers Blues“ zeigt einen roten Stern und ein volles Bierglas. Wie gehören Rausch und Revolution zusammen?
Volker Hauptvogel Unbedingt natürlich. Aber es kommt auf das Maß an.  MDK ist ja, so um 1984, letztendlich durch Heroin auseinandergebrochen. Dazu kam der Druck von Außen. Ständig musste man sich  prügeln mit der linken Szene, bzw. dem Teil, der sich dafür hielt und daraus seinen Alleivertretungsanspruch ableitete. Wir waren zwar Anarchisten, aber auch immer gegen Gewalt. Die Band war schließlich  kaputt und ich habe einen Gangster aus Marseille kennengelernt, den Bruno, der später in Paris erschossen wurde. Kopfschuss. Der hatte sich irgendwann mit den falschen Leuten eingelassen. Mit diesem Bruno habe ich jedenfalls den Pinguin-Club in Schöneberg gekauft. Das  war eine gute Ecke, dort war früher das „Blue Moon“ und Gudrun Guts Laden „Eisengrau“ und Burkhard Seiler mit seinem „Zensor“-Plattenladen. Meine Popularität hat mir als Gastronom natürlich viel geholfen. Ich kannte ja sehr viele Leute. Die kamen dann auch alle, auch die Berühmtheiten damals, Die Ärzte oder Depeche Mode. Es lief aber auch viel Jazz, Miles Davis und so was. Schlägereien gab es eigentlich gar nicht, außer mit den Teddy-Boys manchmal. Der Laden lief also sehr gut, bis dann mein Sohn geboren wurde. Das war 1988 und da habe ich mir gesagt, das geht nicht mehr mit der Nachtarbeit.

MDKtip Kurz nach dem Sie den Pinguin-Club verkauft haben, ist auch die Mauer gefallen und es war auch mit West-Berlin vorbei. In ihrem Buch merkt man Ihre tiefe Zuneigung für die Mauerstadt und zwar nicht nur für die linke Szene, sondern auch für das Bürgertum.
Volker Hauptvogel Ohne die Intelligenz und das liberale Bürgertum hätten es die vielen radikalen Strömungen und Bewegungen, wie zum Beispiel die Hausbesetzerbewegung, ja gar nicht geschafft sich sich Gehör zu verschaffen oder sich gar durchzusetzen. Ohne dieses liberale Bürgertum wäre das in die Hose gegangen, weil die die Zusammenhänge erfasst haben, die Öffentlichkeit hergestellt und die Strukturen. Das waren nicht die Radikalinskis, die die Weltrevolution machen wollte. Aber in Berlin gab es neben den Reaktionären und Kommunistenhassern immer auch einen sehr liberalen Geist.

tip Dennoch neigen Sie nicht dazu, West-Berlin zu romantisieren.
Volker Hauptvogel Nein. Mein Buch sollte auch keine Ode an West-Berlin sein. Es ist eine Zustandsbeschreibung des alten West-Berlin aus meiner subjektiven Sicht. Eine Sicht, die allerdings auch manchmal durchaus romantische Facetten hat. Ich habe den Roman so konstruiert, wie ein Gemälde, um Stimmungen wiederzugeben. Die ganze Geschichte ist erzählerisch nach Jahreszeiten und Farben angelegt.  Berlin ist eben vielschichtig.

tip „Fleischers Blues“ reiht sich dennoch in die West-Berlin-Bücher ein, die in den letzten Jahren erschienen sind. Man denke an die Veröffentlichungen von Wolfgang Müller, Oskar Roehler oder Alexander Hacke oder auch Mark Reeders Dokumentarfilm B-Movie. West-Berlin. Vor allem die 1980er, waren medial zuletzt sehr präsent.
Volker Hauptvogel Es wird immer behauptet, es gäbe viele Bücher über West-Berlin. Gibt es die wirklich? Was Wolfgang Müller geschrieben hat ist ein Nachschlagewerk.  Roehler habe ich nie gelesen, bin dem Mann nie begegnet und finde seine Filme völlig bescheuert. Der hatte mit der Szene damals auch gar nichts zu tun. Alexander Hackes Biografie konnte ich nicht zu Ende lesen. Das andere sind Bildbände und Anekdoten. So viele Romane aus der Zeit und der Perspektive gibt es eigentlich nicht. Manchmal habe ich den Eindruck, es geht hauptsächlich um kommerzielle Resteverwertung.

tip Wie haben Sie den Mauerfall erlebt?
Volker Hauptvogel Ich wohnte damals am Oranienplatz. Am 9. November 1989 hieß es, die Mauer sei weg. Wir haben geguckt, aber sie war immer noch da. Da hab ich mich wieder schlafen gelegt. Dass der Sozialismus, bzw. das, was sie so genannt haben, da drüben aufhören sollte, dass fand ich aber natürlich großartig. Ich habe es gehasst, dieses reaktionäre Spießerpack. Durch den Mauerfall kam neues Blut und damit neues Leben in die Stadt.

tip Sie haben sich nach dem Untergang West-Berlins ganz gut zurechtgefunden, vor allem als Gastronom mit Ihrem Restaurant Storch.
Volker Hauptvogel Meine ehemalige Frau kam aus Baden-Baden, da sind wir dann mal hingefahren und ich bin vom Glauben abgefallen, wie geil Deutschland sein kann. Es war nicht nur schön, auch die Leute waren freundlich und das Essen schmeckte. Ich wurde dann der erste, der in Berlin Flammkuchen gemacht hat. Das war wie Pizza neu erfinden. Da hat sich wiederholt, was ich mit der Band gemacht habe oder als Schriftsetzer. Man muss mit den Leuten kommunizieren, das ist das ganze Geheimnis. Die Bude war voll. Es kamen Gäste aus dem Westen und aus dem Osten, da hat sich alles getroffen. Musik haben wir gar nicht gespielt. Die Atmosphäre war fast immer nett und unaufgeregt.  Das Ganze war wie eine Reise, so wellenförmig. Das kann ein Konzert sein genauso wie ein Restaurantbesuch. Fast 20 Jahre hatte ich den Storch, dann konnte ich keine Kellner und keine Köche mehr sehen. Und auch keine Gäste.

tip Sie haben zwischenzeitlich in Lichterfelde und in Charlottenburg gewohnt, sind aber vor einigen Jahren wieder zurück nach Kreuzberg gezogen. War es Ihnen woanders zu langweilig?
Volker Hauptvogel Nee, es gab einfach nirgendswo mehr bezahlbare Wohnungen. Meine finanzielle Situation war zu der Zeit ausgesprochen mau. Ich hatte ja Jahrzehnte lang nach dem Motte „easy come, easy go“ gelebt. Da zahlt man irgendwann die Zeche. In Kreuzberg habe ich dann eher zufällig eine günstige Wohnung bekommen und war froh darüber. Heute  werde ich oft auf der Straße begrüßt und für ein Pläuschchen angehalten. Das ist zwar nett, aber wenn ich einkaufen gehe, brauche ich immer eine halbe Stunde bis ich nach Hause komme. Ständig gibt es irgendwas und irgendwen zum Quatschen .

tip Was macht Volker Hauptvogel heute?
Volker Hauptvogel Die Band ist wieder am Start, MDK gibt es  wieder. Das Buch ist gerade erschienen, da mache ich eine Reihe von  Lesungen und es gibt  Pläne weiterzuschreiben. Die Geschichte von Fleischer ist noch nicht auserzählt. Eine Trilogie bietet sich eigentlich an..

tip Ein Kreis schließt sich, Sie haben wieder die Band, schreiben über die alten Zeiten, leben im Kreuzberger Kiez. Aber mal Hand aufs Herz, was ist denn heute besser als damals?
Volker Hauptvogel Das Bier jedenfalls nicht. Generell glaube ich, dass es junge Leute heute schwerer haben als damals, obwohl alles leichter zu sein scheint. Aber die Möglichkeiten, nach dem Try-and-error-Prinzip Erfahrungen zu machen, sich seinen Weg durch Fehler und Experimente zu suchen, ist sicher viel schwerer geworden. Was ist also besser heute? Schwere Frage. Ach ja, die Flüge in die weite Welt sind billiger geworden. Ein Flug nach London kostet deutlich weniger als die Zugfahrkarte nach Hamburg. Von Altersweisheit kann ich leider auch nicht sprechen. Ich warte noch drauf. Dass ich jetzt gelassener geworden bin, kann’s auch nicht sein. Ich war ja schon immer recht gelassen.

Interview: Jacek Slaski und Lutz Göllner
Fotos: Gudrun Arndt, Archiv Volker Hauptvogel/ Diethard Küster
Fleischers Blues von Volker Hauptvogel, Martin Schmitz Verlag, 240 S., 14,80 Euro
Fleischers Blues (Hörbuch) von Volker Hauptvogel, gelesen von Guntbert Warns, 4 CDs, (Deutsche Grammophon), 16,99 Euro
Buchpremiere: Zum Elefant, Oranienstraße 12/Heinrichplatz, Kreuzberg, Di 15.3., 19 Uhr

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