Theater und Bühne in Berlin

Im Gespräch: Peter Lund über „Schwestern im Geiste. Eine musikalische Zeitreise“

Peter Lund unternimmt eine musikalische Zeitreise in der Neuköllner Oper

Peter_Lund_c_MatthiasHeydeWeshalb beschäftigen Sie sich in Ihre neuen Inszenierung „Schwestern im Geiste“ mit Damen aus dem 19.Jahrhundert?
Das eigentliche Thema des Abends ist Emanzipation. Bei diesem Thema ist das 19. Jahrhundert gar nicht bieder, sondern sehr brisant. Und die Geschichte der Brontë-Schwestern sehr theatralisch.

Wie funktioniert die Zeitreise?
Wir erzählen zwei Stücke parallel. Links die Schwestern Brontë, rechts drei Frauen von heute, die glauben, kein Problem mehr mit ihrem Frausein zu haben. Im Laufe des Abends vermischen die Ebenen sich immer mehr, und die modernen Frauen merken, dass sie sich offensichtlich geirrt haben.

Wie zeigen Sie den zeitlichen Abstand zwischen dem 19. Jahrhundert und heute?
Ich bin ein großer Freund des Kostümtheaters. Unsere drei historischen Damen tragen alle historische Kostüme. Daneben stehen die modernen Frauen in ihren Jeans. Der historisch korrekte Blick ist für mich erhellender als versoßte Gleichmacherei der Zeiten. Im Idealfall erzählt uns eine historische Geschichte wie die britische Serie „Downtown Abbey“ viel über unsere Zeit.

Hat Ihr Stück  mit Aydin, die ihren Cousin in Bursa heiraten muss, auch einen postmigrantischen Aspekt?
Hier in Berlin liegt das vor der Haustür, ein Konflikt, den wir als Westeuropäer in unserer Ignoranz für gestrig halten. Die Brontës hatten noch dasselbe Problem und haben sehr darum gekämpft, frei wählen zu können. Heute stehen wir eher vor der Frage: Was machen wir mit unserer Möglichkeit der freien Wahl? So wie es bis jetzt aussieht, macht sie uns hauptsächlich zu tumben RTL-Guckern.

Peter_Lund_Schwestern_im_Geiste_2_c_MatthiasHeydeWie locken sie die RTL-Gucker in die Oper?
Es muss eben genauso viel Spaß machen wie RTL 2, aber schlauer sein.

Herbert Fritsch macht Operette, Barrie Kosky Musical in der Oper.
Dem fühlen wir uns sehr verbunden. Was die Komische Oper jetzt macht, haben wir schon vor zehn Jahren gemacht. Schön, wenn es im Mainstream der großen Häuser ankommt. Vielleicht macht die Komische Oper in zehn Jahren ja auch ein Brontë-Musical.

Interview: Stefan Hochgesand

Foto: Matthias Heyde

Schwestern im Geiste. Eine musikalische Zeitreise; aktuelle Termine: Neuköllner Oper, Karl-Marx-Str. 131-133

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