Kammermusik

Intonations 2017

Die Wohl­gesonnenen: Bei Intonations hört man Freunde und Rivalen

Foto: Svea Pietschmann/ JMB

Ein wahrer Freund ersticht dich immer von vorn“, lautet ein zu wenig bekanntes Wort des notorischen Oscar Wilde. Doppelbödig genug mithin ist das Thema „Freundschaft“, dem sich das diesjährige Kammermusik-Festival „Intonations“ widmet. Denn: Wohlgesonnen mögen Robert Schumann und Johannes Brahms gewesen sein – und blieben doch auch Rivalen. Schostakowitsch und Prokofieff wurden gleichermaßen des Formalismus bezichtigt, scheinen aber unvergleichbar. Liszt war Chopins frenemy, auch wenn ­jener über diesen eine Biographie schrieb. Betrachtet man die Tatsache, dass Festivals wie das im Jüdischen Museum Freundschaftsveranstaltungen zwischen Musikern sind, die einander wechselseitig beehren, so ist beim sechsten Jahrgang unter der Leitung von Elena Bashkirova mit manch unterhaltsamem Zerwürfnis zu rechnen.
Mit Spitzenmusikern wie Elisabeth Leonskaja, Éric Le Sage, Nobuko Imai und Kirill Gerstein steht die Prominenz früheren Jahrgängen in nichts nach. Erstmals stoßen Bariton ­Matthias Goerne sowie Jung-Stars wie Cellist Edgar Moreau dazu. ­Höhepunkte sind Tschaikowskys Klaviertrio op. 50 (mit Leonskaja, 22.4.), Schumanns „Dichterliebe“ mit René Pape (24.4.) und Mendelssohns Streichoktett mit Alexander Sitkovetsky (27.4.). Im großen, sich akustisch anbietenden Glashof des ­Jüdischen Museums ist auch für Kurzentschlossene meist noch Platz. Die sechs Konzerte sind aber auch bestens geeignet, um sich in einen Festivalrausch zu versetzen, der in Berlin eher Seltenheitswert hat. Für Wohlgesonnene.

Jüdisches Museum Berlin Sa 22.4., 18 Uhr, So 23.4, 11 Uhr, Mo 24.4. –  Do 27.4., 19.30 Uhr, Karten 20–24/ erm. 16–20 €

Kommentiere diesen Beitrag

Kommentiere diesen Beitrag

Kommentare