Kino & Film in Berlin

Irene von Alberti und ihr Spielfilmdebüt „Tangerine“

Irene von Alberti hat ihr Spielfilmdebüt "Tangerine" in Tanger inszeniert, ihr Hauptquartier liegt jedoch in Berlin. Die Mitbegründerin der Filmgalerie 451 sorgt schon lange dafür, dass extravagantes Kino zum Publikum findet

irene_von_albertiAuf dem Weg zu Irene von Alberti kommt man an Autowerkstätten und Dru­ckereien vorbei – die Filmgalerie 451 bewohnt eine Fabriketage in Mitte, in einer dieser weiträumig verwinkelten Berliner Hoflandschaften, die noch nicht über­restauriert und allzu schick sind. Die entspannte, unprätentiöse Atmosphäre passt gut zu ihr und dem Familien- und Freundschaftsbetrieb der Filmgalerie 451, Produktionsfirma, DVD-Label, Kinoverleih.

Hier produzieren und vertreiben Irene von Alberti und ihr Partner Frieder Schlaich eigene Filme – am bekanntesten wohl der Berliner Episodenfilm „Stadt als Beute“ (2005) – und solche von Freunden, Christoph Schlingensief etwa oder Roland Klick. „Wir haben schon einen Ruf als Nischenfirma, als Arthouse-Ecke innerhalb des Arthouse-Programms, so ganz schwierige Sachen“, meint Irene von Alberti, nur halb ironisch. Schwierig ist „Tangerine“, ihr erster Langspielfilm als Regisseurin, eigentlich nicht – aber schön und traurig und nachdenklich machend, über starke Frauen in schwie­rigen Situationen. Und über die Grauzone zwischen Emanzipation und Prostitution in Marokko, einem Land, dem die Filmemacherin schon seit Jahrzehnten verbunden ist.

Das erste Mal war sie 1988 dort, erzählt sie, als Kameraassis­tentin für Elfi Mikeschs Film „Marocain„: „Wir waren wahnsinnig lange in Marrakesch und haben eigentlich nichts gedreht – aber wir haben so richtig da gelebt.“ Mitte der 90er Jahre entstand dann in Tanger der erste gemeinsame Episodenfilm mit Frieder SchlaichPaul Bowes – Halbmond“ (1995). Aus dieser Zeit stammt auch die Freundschaft mit dem marokkanischen Produzenten Karim Debbagh, in dessen Produktionsfirma die Filmgalerie 451 Partner ist: Kasbah-Films, die sich in Tanger auf Produktionsservice für ausländische Produktionen spezialisiert hat – „Bibelfilme, Filme, die eigentlich im Irak spielen, all solche Sachen“. Aber auch ehrgeizige Projekte wie Albertis Filme über marokkanische Frauen.

irene_von_albertiIhr Interesse für dieses Thema erklärt sie aus Erfahrungen vor Ort: „Ich kannte viele Leute, aber hatte immer das Gefühl, dass ich von Marokko eigentlich nur die Männerwelt kenne – Aufnahmeleiter, Produktionsleiter, Leute, die im Team gearbeitet haben. Aber wie die Frauen leben, konnte ich einfach immer nicht richtig sehen. Klar waren wir manchmal zum Essen eingeladen, und da waren dann auch Frauen, aber die haben eigentlich nur das Essen aufgetragen und sind dann wieder in die Küche verschwunden. Aber es muss doch auch Frauen geben, die nicht das Hausfrauenleben leben wollen, und wo sind denn die?“

Den ganzen Artikel der tip-Autorin Catherine Newmark lesen sie in der aktuellen tip-Ausgabe 11/09.

Foto: Jens Berger

Filmkritik 

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