Kommentar

„Irrsinn“ von Erik Heier

Neulich im Urlaub gewesen. Knapp zwei Wochen Südfrankreich. Tagsüber um die 30 Grad. Und über allem ein Himmel, so blau.

Erik Heier

Fast schon unwirklich, diese Urlaubsheiterkeit. Aber wozu gibt es Bücher? Wohlfühllektüre am Strand weglesen kann ja jeder. In den Büchern, die ich dabei hatte, taumelten Leute am Rande des Irrsinns. Oder sogar mittendurch. Einer der Romane war „Irgendwas bleibt immer“, das neue Buch von Edgar Rai. Spielt übrigens sogar unweit meines Urlaubsortes. Es geht um einen jungen Mann mit dissoziativer Persönlichkeitsstörung. Seine Zweitidentität ist eine Lola mit ­üblen  Umgangsformen. Rai verschiebt sein knappes Figurenensemble souverän umher, dreht immer weiter an der Gewaltspirale. Bis es kracht. Noch stärkere Kontrastlektüre: Thomas Melles neues Buch „Die Welt im Rücken“ (Buchpremiere: Frannz-Club, 2.9., 20 Uhr). Über sein Leben mit manisch-depressiver Erkrankung. Dass er mal in Rage ein Zimmer zerlegt hatte, davon hatte ich gehört. Wir sprachen darüber, vor zwei Jahren. Da traf ich ihn wegen „3000 Euro“, seinem zweiten Roman. Er deutete an, sich diesen Dingen autobiografisch zu stellen. Von den Ausmaßen seiner manischen Schübe hatte ich aber keine Ahnung. Harter Stoff. Tolles Buch. Komme mir ja keiner mehr mit „Genie-und-Wahnsinn“-Romantik. Zuletzt schaute ich in Benjamin von Stuckrad-Barres Suff-/Koks-/Krach-/Kotz-Bericht „Panikherz“ rein. Jetzt war mir alles egal. Das lese ich im nächsten Urlaub zuende. Aber nur, wenn das Wetter richtig schön ist.

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