Kolumne

Jackie A. entdeckt… Instagram-Markt

Vergessen Sie Jamaika – Sie haben den ersten Instagram-Markt in Mitte verpasst! Dabei wird doch Instagram nicht nur laut dem Internetportal Meedia.de immer wichtiger! Immerhin, ich war da.

Einer muss ja dranbleiben, sich mit dieser Welt auseinander­zusetzen, in der Menschen an Kreuzungen zu unkalkulierbaren Risiken werden, weil sie ihren Blick nicht vom Handy lösen können, unfähig, sich zwischen 37 Filtern in einer Ampelphase zu entscheiden. Falls Sie auch zur dieser aussterbenden Spezies gehören, die analog aufwuchs und nun digital vor sich hinwurschtelt, könnte Sie so ein Hybrid aus Internet-Medium und Markttreiben doch versöhnlich stimmen. Und ich bin ja begeisterte Instagrammerin.

Da stört im Gegensatz zu Facebook niemand mit ausuferndem Kommentierungsbedarf oder kleinlichen Hinweisen zu Rechtschreibfehlern. Es sprechen die Fotos und Videos, verklärt durch Filter „Gingham“ oder „Valencia“, die selbst für User „Ü 90“ als Beauty-OP-Ersatz noch geeignet sind. Und das mit dem Markt geht auch gleich spannend los: mit Absperrgittern und einem strengen Securitycheck. „Ist nur der BH-Bügel“, sage ich nach dem Piepen des Detektors, und „Nein, keine Waffen dabei.“ Drinnen bricht die Aufregungskurve zwischen Papphirsch-Aufstellern, den drapierten Sessel-Kissen und gold­farbenen Eichhörnchen für die Schrankwand dann sofort in sich zusammen. Zunehmend schlecht gelaunt lungere ich am Stehtisch vor der „Meeting- Area“.

Da werden weiße Bänke in einer geheimnisvollen Choreografie von Mitarbeitern mal hierhin, dann wieder dorthin transportiert, bis am Ende niemand mehr sitzt. An Ständen werden Parfüme von „Frau Tonis“ angeboten und „coole Accessoires aus Tyvec“. Dazu weiße Tassen und Postkarten, auf denen in Schreibschrift haarsträubende Banalitäten verewigt sind, begutachtet von Leuten, deren Haarstyles und Gebaren – ins Smartphone lächeln für’s Livevideo wie in einem fantasielosen Humanoiden-Thriller! – identisch wirken. Eine Treppe höher prangt übergroß das Instagram-Logo, so als würde es sarkastisch kommentieren: „Achtung, Social-Media-Konsum lässt dein Hirn schrumpfen – aber dank unserer Filter ist es dabei wunderschön pink!“

Was hätte man aus diesem Event nicht alles machen können! Aber so ist es nur eine Verkaufsbudenansammlung mit erhöhtem Smartphoneaufkommen. Enttäuscht laufe ich raus bis zur Kreuzung, nach einem Filter scrollend, der ein billiges Deko-Eichhörnchen in eine geniale Beuys-Installation verwandelt. Moment, gleich hab ich’s!
(*quietschende Räder aus dem Off*)

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