Kolumne

Jackie A. entdeckt… Koffer in Kairo

Als die Nachricht reinkam, dachte ich nur so: BÄM! Da war sie wieder, nach über 20 Jahren: die alte Liebe aus Israel. Eyal ist in der Stadt und morgen soll schon ein Wiedersehen folgen. Dabei war das so eine crazy Story.

Mauerfall in Berlin, die Menschen befanden sich in diesem unklaren Zustand, in dem sich alle möglichen, auch obskuren Gelegenheiten auftaten. Zum Beispiel dieser Auftrag, einen Koffer (keine Drogen, sondern Textilien) in Kairo abzuliefern für einen Gratisflug dorthin. Ich, blondiertes DDR-Mädchen, sagte sofort zu, obwohl ich mich heute schon frage, ob diese Aktion koscher war und ich im jugendlichen Leichtsinn nicht eigentlich knapp am Aufenthalt in einer ägyptischen Gefängniszelle vorbeischrammte. So landeten meine Freundin und ich in einem prächtigen alten Haus in Kairo, in dem uns ein Dienstmädchen Köstlichkeiten aufs Zimmer brachte und den ganzen Tag ägyptische Serien im TV liefen, in denen sich ausschließlich Beziehungsdramen abspielten. Wir reisten auf die Halbinsel Sinai weiter und ich erinnere mich an diesen Abend mit dem unfassbaren Sternenhimmel, an dem wir mit anderen Reisenden, ausschließlich Israelis, um ein Feuer am Meer saßen und Beduinen im Zelt nebenan Minztee zubereiteten. In so einem Surrounding ist es ja ausgeschlossen, sich nicht sofort zu verknallen, und Eyal saß direkt gegenüber. Ich bin ihm später hinterhergereist, Richtung Tel Aviv, in einem klapprigen Bus durch unwegsames Gebiet – ­vermutlich der Gaza-Streifen. Später kam er zu mir nach Berlin und so ging es immer hin und her, und bald schon wollten wir heiraten. Informationen beim Rabbi wurden eingeholt und die sich am Horizont abzeichnenden Schwierigkeiten blieben dank schlechtem Englisch auf beiden Seiten die längste Zeit verborgen.
Es lief zwischen uns ein bisschen wie in diesen ägyptischen TV-Serien: Riesenstreitereien im Wechsel mit dramatischen Liebesbekenntnissen, aufregender Sex, gefolgt von Gips­figuren, die an der Wand zerschellten, dazu Diskussionen über die große deutsch-jüdische Schuldfrage.
Die Liebe endete, wie sie begann, abrupt, nur ein Jahr später.
Und dann schreibt mir Eyal, dass er nun doch erst mal in den Friedrichstadt­palast gehen möchte. Ich biete ihm (und seiner Frau!) noch an, den Holzmarkt und die East Side Gallery zu besuchen. Kurz darauf dann das letzte Lebenszeichen: BÄM! Ein Facebook-Like. Genau genommen nicht das schlechteste Ende für ein deutsch-israelisches Beziehungsdrama.

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