Kolumne

Jackie A. entdeckt… Lach-Meditation (Neujahrsgruß)

Der 1. Januar startete Roland-Emmerich-haft. Sonnenstrahlen durchbrachen düstere Wolkenmassive, während der Sturm einen zerfetzten Karton über die leere Straße schob. Mein Action-Held, ein junger Clubgast, umschiffte schwankend und im Bademantel Knallkörper-Reste am Boden. In seiner Manteltasche steckte noch die letzte Flasche Sekt.

Abschied 2018 traf auf Einstieg 2019, denn an der Kreuzung wartete ich schon, auf dem Weg zur ersten Lach-Meditation meines Lebens. Mein Mann, ein großer Esoterik-Phobiker, begleitete mich tapfer ins Kreuzberger „Osho-Studio“ – und bald fanden wir uns schuhlos in dieser Fabriketage wieder, mit circa 30 weiteren Lachinteressierten, die meisten davon nicht aus Berlin.

Wir saßen im Kreis zwischen russischsprechenden Influencern in Netzbodys und internationalen Achtsamkeits-Hipstern, insgesamt mehr junge als ältere Leute sowie ein weiteres zerknautschtes Ehepaar. Die Stimmung war freundlich, die Einleitung folgte auf Englisch. Demnach würden wir zusammen lachen, auf dem Bauch liegend meditieren und am Ende alle tanzen. Weil ein paar Teilnehmer bereits in Stimmung waren, wurde der letzte Programmpunkt schon mal vorgetestet – allerdings nicht im Clubtanz-Modus, sondern frei interpretiert: Ausdruckstanz, here we go! Intuitiv sollte dabei zusammen finden, was energetisch passte, und mein spontanes Gegenüber war ein menschlicher Flummi. Die Frau sprang ununterbrochen – das heißt, wir sprangen zusammen, bevor ich auf der Matte völlig fertig zusammenbrach – but wait a minute: Jetzt würde erst noch 20 Minuten gelacht werden.

Leider wurde der Rat der Leitung, das Lachen authentisch entstehen zu lassen, nicht von jedem befolgt, und die Person neben mir schrillte dermaßen laut und operettenhaft los, dass ich direkt keinen Bock mehr hatte. Irgendwann funktionierte es doch. Und spannend war es, zu erleben, wie unterschiedlich einzelne Teilnehmer ein zaghaftes Lächeln in schöner Kollektivdynamik bis zum Lachen aufbauten. Zuweilen erinnerte die Situation an ein Irrenhaus, in dem sich Patienten kichernd am Boden wälzten oder mit Kissen bewarfen. Mittendrin sprang jemand auf, zeigte einen „Stinkefinger“ Richtung Gruppe, und rannte wie besessen davon. Als der Lachflash abebbte, folgte die meditative Ruhephase – und hinten links schnarchte es. Zum Abschluss erhoben wir uns, um am ersten Tag 2019 völlig nüchtern, jedoch deutlich entspannt und ganz schön gut drauf zu tanzen. Ich weiß jetzt nicht, was Osho zu diesem Neujahrsgruß gesagt hätte, aber ich bin nächstes Jahr wieder dabei.

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