Kolumne

Jackie A. entdeckt… Plötzlich Prinzessin Terrorist

Leben im Informationszeitalter: Eine Suchanfrage bei Google – schon sind die Ergebnisse aufgelistet, ein Traum. Oder aber: ein Albtraum. Man hört ja immer mal wieder von haarsträubenden Storys, wo ein SEK-Kommando aufgrund eines datentechnischen Missverständnisses plötzlich im Wohnzimmer eines unbescholtenen Bürgers steht. Wie kann sowas passieren?

Nun, ich habe eine Ahnung bekommen. Vor Monaten sprach mich eine aufmerksame Nachbarin an. Sie wollte wissen, was ich dazu sagen würde, dass mein Buch mit einem Terroristen verlinkt sei. Ich stand da am Gartenzaun und dachte nur so „WTF?“ Sie empfahl mir, selbst im Internet nachzuschauen. Was ich nicht tat, weil ich vermutete, sie hätte schlicht Schwierigkeiten gehabt, unter Millionen Jackie A.’s weltweit, die eine hier vom tip zu finden.

Als ich dann letzte Woche routinemäßig meinen Namen googelte – ich kann das nur jedem hin und wieder empfehlen –, tauchte da gleich neben den ersten Einträgen dieser extra herausgestellte Info-Kasten auf, in dem ein schwedischer Krimineller mit Wikipedia-Eintrag und Neonaziverbindungen als Autor meines Buches „Apple zum Frühstück“ angegeben wurde, mit Link. Ich weiß nicht, wie lange diese Fehlinfo schon im Netz kursierte. Noch weniger wusste ich, wie ich den Mist korrigieren könnte. Ich fand lediglich einen winzigen „Feedback“-Button unter dem Eintrag. Mehrmals bat ich hierüber, den Fehler zu tilgen – mein Mann übrigens auch. Und es passierte: nichts. Da wird also bei Google ein direkter Zusammenhang mit einem Terroristen zur eigenen Person hergestellt und niemand korrigiert’s. Die Vermutung liegt nahe, dass solche Beitrage millionenfach automatisiert erstellt werden und dabei Fehler passieren. Fehler, die Folgen haben. Denn nicht nur Nachbarn können falsche Schlüsse ziehen, auch Arbeitgeber, Sicherheitsbehörden, „besorgte Bürger“, Steuerbeamte. In der Pressestelle von Google Deutschland versprach man freundlich, sich zu kümmern. Derweile verknüpfen weiterhin Maschinen unsere Daten, beeinflussen über unseren Appetit auf schnelle Antworten Sichtweisen und Meinungen, sogar Emotionen maßgeblich.

Längst stellt sich die Frage, wieviel Power ein Konzern haben darf, dessen größtes Anliegen naturgemäß nicht im Gemeinwohl liegt, sondern in Gewinnmaximierung, und dessen gesellschaftlicher Einfluss unaufhörlich wächst. Hier ist die Politik gefordert. Antworten müssen her, Richtlinien entwickelt werden von schlauen, fachkompetenten Leuten.
Was mich gerade aber wenig beruhigt: Ich kann noch nicht einmal die richtigen Fragen dazu hören.

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