Oper

„Jakob Lenz“ in der Staatsoper

Andrea Breth belacht „Jakob Lenz“ von Wolfgang Rihm

Foto: Bernd Uhlig

Dass Andrea Breth eine sehr gute Komödienregisseurin ist, ­ließen ihre Auslegungskünste an der Berliner Schaubühne (vor Urzeiten) kaum ahnen. Auch „Jakob Lenz“, die Kammeroper von Wolfgang Rihm, seziert Breth eigentlich als Kranken- und Pathos­geschichte mit kaltem Blick, so, als würde eine Fliege zwischen zwei Pinzetten auseinandergerissen. Man mag beklagen, dass Breth erneut den Eindruck suggeriert, sie habe eine Geschichte völlig radikal neu durchdacht; während sie in immer derselben mausgrauen, taubengrauen, steingrauen Schiefer­tristesse landet, die man von ihr kennt.
Grandios indes wird der Abend, wo Andrea Breth das Gejaule und Gejammer ihres Helden, des Stürmers und Drängers ­Jakob Michael Reinhold Lenz (nach Georg Büchner), ins slapstikhaft Komische, ins Lachhafte einer Stummfilm-Groteske umschlagen lässt. Georg Nigl in der Titelrolle wurde schon 2015 als „Sänger des Jahres“ ausgezeichnet, zu Recht. Bedrohlicher hat noch keiner genäselt, gekatzbuckelt und gebellt. Entweder nackt oder im zerbeulten Anzug kriecht er durch die Rinnsale, die über die Bühnenschräge fließen. Nigl gelingt, die oft undankbare Virtuosität Neuer Musik in Kunstfertigkeit, ja Zirkushaftigkeit souverän umzumünzen. Eine Freude, ihm zuzusehen.
So erzeugt das Werk, inzwischen 40 Jahre alt, in seiner polymorph perversen Harmonie und Disharmonie, die sich überall und nirgends bedient, das Bild eines zeitlosen Vorscheins der Postmoderne. Der mit 75 Minuten lakonisch kurze und knackige Abend ist die wichtigste Staatsopern-Produktion der Saison. Und Andrea Breths bislang beste Operninszenierung in Berlin.

Staatsoper im Schiller-Theater Fr 14.7., 19.30 Uhr, Eintritt 15 bis 68 €

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