Kino & Film in Berlin

Jetzt im Kino: „Fame“ von Kevin Tancharoen

Die amerikanische Kritik hat "Fame", das Disney-Remake von Alan Parkers berühmtem gleichnamigen Musical aus dem Jahr 1980, bereits nahezu einhellig in die Tonne getreten

fameJemand habe einen Pfahl durch das Herz des Originals getrieben und ihm die Seele herausgerissen, verkündete etwa Betsy Sharkey, Kritikerin der „Los Angeles Times„, die im Übrigen alle dafür verantwortlichen Personen niemals mehr auf ein Filmset lassen möchte. Liest man die Kritiken (auch Sharkeys) jedoch weiter, findet man zum Teil recht erstaunliche Erkenntnisse: Die jugendlichen Darsteller seien überwiegend doch recht talentiert, die Musiknummern mit der schwarzen Sängerin Naturi Naughton hätten Pep, und die Tanzszenen, die der erst 24-jährige, als Choreograf von Britney Spears bekannt gewordene Regisseur Kevin Tancharoen mit der blonden Kherington Payne inszeniert hat, besäßen echte Klasse. Bitte? Ein Musical hat talentierte Darsteller und gelungene Musiknummern und der Film ist – Mist?

Ist er natürlich nicht. Die ame­rikanischen Kollegen haben lediglich anders gewichtet und einen wesentlichen Faktor nicht recht in Betracht gezogen: Das Remake richtet sich an ein ganz anderes Publikum als der Originalfilm von Alan Parker. Die „Fame„-Version von 1980 war für ein Musical schon immer sehr ungewöhnlich: Zum einen besitzt der Film aufgrund seiner Struktur keine wirklichen Hauptfiguren, sondern folgt in clever montierten Episoden dem Werdegang und den Träumen verschiedener jugendlicher Absolventen der New Yorker High School for Performing Arts von ihrer Aufnahmeprüfung bis zum Abschluss (oder dem vorzei­tigen Scheitern). Zum anderen macht der gelegentlich zynische Witz und ein eher mitleidloser Blick auf mangelndes Talent und ruinierte Karrieren dieses Coming-of-Age-Drama mit Musik und Tanz zu einem sehr erwachsenen Vergnügen – von der Tatsache, dass hier auch Themen wie Drogen, Homosexualität und ungewollte Schwangerschaft verhandelt werden, einmal ganz abgesehen.

fameDas Disney-Remake hat nun zwar die Struktur beibehalten, gibt sich sonst aber in jeder Hinsicht konfliktfreier und „sauberer“. Hier ist Entertainment für Teenager gemeint, denn selbige sind als Zielgruppe eindeutig avisiert, das wird allein schon durch die Auswahl der Filmgesichter und der dazugehörigen Frisuren, die ausgewogene Gewichtung verschiedener Ethnien und die in Richtung R&B/ HipHop tendierende Musikauswahl sofort deutlich. Dass Tancharoens Remake die Komplexität und den Tiefgang des Originals nicht erreicht, macht in diesem Zusammenhang letztlich nichts, denn sein Film wirkt weder dumm noch zusammengeschludert, sondern bietet einfach schwungvolles Entertainment für junge Leute. Die können sich bei den mormonischen Vampiren von „New Moon“ oder den rundum durchgestylten „Hannah Montana„-Produkten auch deutlich schlechter amüsieren.

Text: Lars Penning

tip-Bewertung: Sehenswert

Fame USA 2009; Regie: Kevin Tancharoen; Darsteller: Asher Book (Marco), Kristy Flores (Rosie), Paul Iacono (Neil); Farbe, 105 Minuten;
Kinostart: 24. Dezember

Orte und Zeiten: „Fame“ jetzt im Kino in Berlin

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