Fotografie

Johannes Haile in der ifa-Galerie

Der Äthiopier Johannes Haile fotografierte das Deutschland der 1960er-Jahre

Foto: Johannes Haile, Deutschland 1962

Foto: Johannes Haile, Deutschland 1962

1964 fand in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba eine Fotoausstellung mit dem Titel „An Ethiopian sees Germany“ statt. Wer sie besuchte, bekam ein prächtiges Bild der Bundesrepublik vorgeführt. Da gab es tüchtige Stahlarbeiter, wissbegierige Schulkinder und muntere Kreuzfahrtgesellschaften.
Tatsächlich entstanden jene Fotografien im Auftrag der Deutschen Botschaft, die ein positives Image des Landes propagieren wollte. Dennoch wirkt das Lachen der Menschen auf den Bildern echt. Sie scheinen sich gerne gezeigt zu haben bei der Arbeit, zu Hause, auf dem Sonntagsausflug. Ein Verdienst des Äthiopiers Johannes Haile, der damals offizieller Fotograf der Vereinten Nationen war. Seine Bilder zeugen davon, wie sich die Deutschen in den 1960er-Jahren nach Normalität gesehnt haben – und wie bereitwillig sie ihre gemütlichen Alltagswelten einem Fremden, einem Afrikaner sogar, offenbarten.
Da Haile von Außen kam und „Mit anderen Augen“ auf die Menschen und deren Leben blickte, veränderte sich auch ihr Blick auf sich selbst. Es ist diese einfache, schöne Geschichte, die in der Ausstellung erzählt wird.
Einziger Wermutstropfen: Die Bilder haben weder Titel noch Ortsangabe. So werden dem Betrachter leider wichtige Hintergründe verwehrt. 

Mit anderen Augen ifa-Galerie, Linienstr. 139/140, Mitte, bis 18.12., Di–So 14–18 Uhr

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