Kammer-Chanson-Pop 

Jonathan Bree spielt im Lido

Eines ist sicher: Jonathan Bree ist cool. Die Frage ist nur: Warum bloß?

Wie kann man mit Topffrisur und blickdichtem Strumpf vor Gesicht und Körper rauchen und dabei auch noch lässig aussehen? Jonathan Bree macht es vor, im letztjährigen Video zu „You’re So Cool“. Dabei handelt der Song Selbstinszenierungen eher abgründig ab. Schließlich muss der moderne Mensch da so viel Arbeit reinstecken: „Body so fit/ So full of spark/ With affirmations/As your wall art.“ Ohne Kunstverständnis und Selbstoptimierung geht nichts mehr – und doch, so stellt Bree fest, stehen am Ende nur „diminished returns“: sinkende Erträge. Ist eben nicht so einfach, individuell unter Individualisten zu sein.

Der Song wurde millionenfach geklickt und brachte dem Neuseeländer den Durchbruch, nachdem seine Karriere lange eher vor sich hin geköchelt hatte. In den Nullerjahren war Bree mit der Indie-Band The Brunettes unterwegs, 2013 erschien sein Solodebüt „The Primrose Path“. Das dritte Album „Sleepwalking“ ist eine Ansammlung von unaufdringlich perfekten Kammerpop-Stücken, meist um ein minimalistisches Bass- und Schlagzeuggerüst und ein gezupftes Cello herum komponiert. Sein Songwriting feiert die Sixties als goldenes Zeitalter melancholischen Chanson-Pops, die Texte liefern morbide Gegenwartskommentare. Das Duett „Static“ etwa erzählt von einer sexuellen Beziehung, die nur im virtuellen Raum existiert. Nicht nur hier fühlt man sich an Nancy Sinatra und Lee Hazlewood erinnert – von Bree zeitgemäß interpretiert.

Lido Cuvrystr. 7, Kreuzberg, Do 6.6., 20.30 Uhr, ausverkauft

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