Urban Art

Street Art-Künstler JPS enthüllt in Berlin das Gesicht von Banksy

Sieht so Banksy aus? Kann dieser Typ, der wirkt wie ein Angestellter aus dem mittleren Management, wirklich der geheimnisumwitterte Künstler sein? Am Freitagabend enthüllt sein Freund und Street-Art-Kollege Jamie Paul Scanlon (JPS) in der Berliner Galerie „Kultur-Späti“ angeblich Banksys Gesicht.

Das ist Banksy! Foto: JPS/ Kultur-Späti

Ist das Aussehen eines Künstlers oder einer Künstlerin für die Bewertung seiner Werke relevant? Nö. Und doch platzen viele Fans des Street Art-Künstlers Banksy vor Neugier, wenn es darum geht, wer er ist und wie er aussieht. Wenn man bei Google die Worte „How does Banksy “ eingibt, ist der zweite Vorschlag für die vollständige Frage: „look like?“

Banksy ist bekannt für seine Schablonengraffiti, die Hauswände und Mauern in der ganzen Welt zieren. Meist haben seine Bilder eine gesellschaftskritische, aber subversive Message. Sie halten humanistische Werte hoch und weisen auf die Schönheit von alltäglichen Situationen hin. In Bethlehem sprühte er auf eine Mauer einen Mann, der einen Blumenstrauß wirft, in Paris einen Mann, der einem Hund einen Knochen hinhält. Dem Hund fehlt eine Vorderpfote, Blut quillt daraus hervor: In seiner anderen Hand hält der Mann eine Säge. Das wohl bekannteste Wandbild Banksys ist in London. Auf die Außenwand einer Steintreppe in Southbank sprühte er ein kleines Mädchen, der gerade ein Ballon in Herzform wegfliegt.

Eine der großen Debatten in der Street Art geht um Urheberschaft und das ist auch das Thema der Ausstellung im Kultur-Späti , die die Enthüllung von Banksys Gesicht flankiert. Bestimmte Motive ziehen sich durch die Street Art-Geschichte, zum Beispiel das Rattenmotiv. Banksys Ratten zum Beispiel sind von den Nagern des Künstlers Black le Rat inspiriert. Hat er geklaut? „Er hat jedenfalls erstmal so getan, als ob er die Ratten selbst erfunden hat“, sagt die Pressesprecherin des Kultur-Späti, Anke Doepner.

Außerdem beschäftigt sich die Ausstellung kritisch mit Banksys Ruhm. Denn es gibt viele Street Art-Künstler*innen, die die Schablonentechnik benutzen, kaum eine*r aber ist so bekannt wie Banksy. Die Ausstellung fragt: Ist das gerechtfertigt? JPS, der Künstler, der Banksys Gesicht enthüllt, erlangte etwas Berühmtheit, indem er seine Version des Mädchens mit dem Luftballon an eine Wand in Bristol sprühte. Die Folge: Große Aufregung, die Bürger*innen dachten, Banksy hätte mal wieder ein Bild in seiner Heimatstadt hinterlassen. Später kam raus, dass JPS der Urheber ist. Und viele Kritiker*innen merkten an, dass JPS‘ das Luftballon-Mädchen technisch besser umgesetzt hat.

Foto: JPS/ Kultur-Späti

JPS ist nicht der einzige Künstler, dessen Werke im Kultur-Späti zu sehen sind (Gabriel-Max-Str. 13, Friedrichshain, Eröffnung 14.2.2020, 18 Uhr). Unter den etwa 30 Künstler*innen, deren Werke in der Galerie hängen, ist auch der Londoner Künstler Mason Storm, der in der Öffentlichkeit nur mit einer Versace-Maske auftritt. „Der Galerist will einzelne Charaktere aus dem Dunstfeld der Street Art herausgreifen und ihnen eine Plattform bieten“, sagt Pressesprecherin Doepner. „Und den Betrachtern die Möglichkeit geben, Banksys Werke mit denen anderer Künstler zu vergleichen.“ Von Banksy selbst sind nämlich auch einige Bilder in der Ausstellung zu sehen. Das Banksy-Porträt allerdings wird dort nur sehr kurz hängen: Am Montag verschwindet es in eine private Kunstsammlung.

Doch sowohl der Käufer oder die Käuferin als auch diejenigen, die sich das Bild am Wochenende in der Galerie angucken, können sich nicht hundertprozentig sicher sein, ob sie wirklich ein Abbild Banksys vor sich sehen: Noch immer gibt es kein Foto des Künstlers, das erwiesenermaßen Banksy zeigt. Was es gibt, sind Bilder des Haaransatzes. Die Farbe, Textur und der Verlauf des Haaransatzes stimmen mit JPS‘ Zeichnung überein. Trotzdem: Am Ende bleibt allen Betrachter*innen des Bildes, die Banksy nicht selbst kennen, nur eines: JPS glauben, oder eben nicht.

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