Arien-Abend

Julia Lezhneva singt im Kammermusiksaal

Farbsatt: Die russische Super-Sopranistin Julia Lezhneva singt im Kammermusiksaal Barockes

Julia Lezhneva
Julia Lezhneva

Es gibt Sänger, die auf der Zuspruchswelle einer springflutartig aufschwappenden Opernkarriere hochgespült werden. Das sind die meisten. Und es gibt wenige, die sich allem Betriebsnudeligen verweigern – und trotzdem auffallen. Die russische Sopranistin Julia
Lezhneva, ein Persönchen von halbhoher Statur, aber doppelter Orgelpfeifenkraft, wurde mit 16 Jahren bei einem Gesangswettbewerb entdeckt. Der Dirigent Marc Minkowski nahm sich ihrer an und gab ihr ein Paar Rossini-Rollen. Ansonsten wusste der Mainstream wenig mit ihr anzufangen. Ihr Glück!
Das Wunder von Julia Lezhneva besteht darin, trotz höchster Flöten- und Stratosphärentöne eine betörende, dunkel überkuppelte Stimmrundung aufzuweisen. Sie wurde für einen Koloratur-Mezzo gehalten, so klangtief und farbsatt klingt sie. Außer einer Zerlina in Barcelona und einer Barock-Oper in Wien steht derzeit nicht viel von ihr in Sicht. Sie denkt: „Lieber auf dem sicheren Weg bleiben, und dafür musikalisch bis zum Äußersten gehen!“
Ihr Decca-Debüt („Alleluja“) erhielt den Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik. Nachwuchssängerin des Jahres wurde sie auch.
„Ich habe keine Opernkarriere“, sagt sie schlicht. Denn sie braucht keine. Zum Interview kommen zumindest die Eltern mit, zwei Geophysiker von der Insel Sachalin. Dort wuchs sie auf. In Berlin präsentiert Julia
Lezh­neva Ausschnitte von ihrem neuen Album, das im April erscheint und für das sie in der Berliner Staatsbibliothek gegraben hat. Mit Arien von Graun und Händel. Das macht ihr niemand nach.

Kammermusiksaal Do 8.12., 20 Uhr, Eintritt 35–75 €

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