Kino & Film in Berlin

Julia Roberts im Interview zu ihrem ihren neuen Film „Duplicity“

Julia Roberts läuft in der Agentenromanze "Duplicity" zu komödiantischer Hochform auf. Ein Gespräch mit der 41-jährigen Schauspielerin über Ohnmacht in Hollywood und die besonderen Qualitäten von Clive Owen.

Julia Robertstip Mrs. Roberts, „Duplicity“ ist ein Film über Industriespionage, der auf drei Zeitebenen spielt und mehr Wendungen als Darsteller hat. Haben Sie beim Lesen des Scripts immer durchgeblickt?
Julia Roberts Absolut nicht (lacht). Zum Glück hat Regisseur Tony Gilroy für die Schauspieler ein Spezialdrehbuch geschrieben, in dem die Szenen chronologisch angeordnet waren. Damit wurde es ganz einfach: Gilroy schreibt so wunderbar, dass man sich wie am Steuer eines Sportwagens fühlt. Die Maschine schnurrt, die Fahrt ist reinster Fun, und am Ende bringt einen die Konstruktion ganz von allein ans Ziel.

tip Suchen Sie Ihre Projekte nach persönlichen Kriterien aus? Mit Clive Owen, der an Ihrer Seite spielt, sind Sie seit der Arbeit an „Closer“ befreundet.
Roberts So ein Projekt bedeutet, dass ich mein ältestes Kind zu Hause lassen und mein Baby mit an den Set schleppen muss – und da sind die Teammitglieder schon ein wichtiges Kriterium für eine Projekt­zusage. Dass ich zu Clive ein blendendes Verhältnis habe, wussten wir beide schon – und wer die harten Szenen aus „Closer“ miteinander schafft, der hat sich ein paar Champagnerdialoge wie in „Duplicity“ verdient.

tip Owen ist nicht Ihr erster britischer Schauspielpartner. Gibt es einen nennenswerten Unterschied zwischen der Technik amerikanischer und europäischer Akteure?
Roberts Nein, jeder Schauspieler findet im Laufe seiner Karriere eine individuelle Technik, das hat nichts mit der jeweiligen Natio­nalität zu tun. An Clive liebe ich besonders, dass er so groß ist und ich ständig zu ihm aufschauen muss. Denn das heißt für mich: Nie ein Doppelkinn, sondern immer ein Schwanenhals! (lacht)

tip In amerikanischen Medien wird „Duplicity“ als Ihr Comeback gesehen. Machen Sie sich ähnliche Gedanken?
Roberts Im Laufe der Jahre bin ich schon zu oft in der Comeback-Schublade gelandet, als dass ich mich darüber noch wundern könnte. Ich habe trotz meiner Kinder immer regelmäßig gearbeitet – „Der Krieg des Charlie Wilson“ ist nicht lange her, „Zurück im Sommer“ startet demnächst in den USA. Im Grunde hat sich nichts geändert. Ich habe meine Karriere immer sehr pragmatisch behandelt, was die Zeit vor der Kamera anging. Ich habe nie zwei, drei Filme pro Jahr gedreht wie viele Kollegen. Dafür bin ich zu faul, fürchte ich!

tip Ist es Zufall, dass Sie zuletzt in so vielen Ensemblestücken zu sehen waren?
Roberts Nein, ich habe zwischenzeitlich auch Theater gespielt und dabei Blut geleckt: Der kreative Austausch mit anderen Künstlern ist durch nichts zu ersetzen. Wenn ich im Kino eine Hauptrolle spiele, ist oft alles auf meine Person zugeschnitten, ich habe dann zu viel im Kopf, um die Arbeit mit Kollegen auch mal zu genießen.

tip Ihre größten Erfolge haben Sie mit romantischen Komödien gefeiert, ein Genre, in dem Sie lange nicht zu sehen waren. Ist das eine bewusste Entscheidung?
Roberts Das Genre ist nicht tot für mich, ich lese auch immer wieder mal ein Romcom-Drehbuch, das mich zum Lachen bringt. Aber je älter ich werde, desto mehr achte ich darauf, dass die Stoffe auch zu mir passen. Wenn ich heute „Pretty Woman“ spielen würde, sähe das ziemlich lächerlich aus. Geschmack­lich sagt mir ein Projekt wie „Duplicity“ inzwischen mehr zu, weil „Boy vs. Girl“ einfach spannender zu spielen ist als „Boy Meets Girl“.

Lesen Sie das vollständige Interview in tip 10/09 auf den Seiten 36-37.

Lesen Sie hier: Im Kino: „Duplicity“ mit Julia Roberts und Clive Owen

Interview: Roland Huschke

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