Fotografie

Julian Röder im Haus am Waldsee

Böse Mächte: Der Berliner Fotograf Julian Röder zeigt neue Arbeiten über esoterische Siedler

Foto: Julian Röder
Foto: Julian Röder

Zurück aufs Land, auf einen „Familiensitz“, den eine Hecke oder gar ein Ringwall gegen die Außenwelt abgrenzt. Hier versorgt sich die Familie mit Gemüse und Korn selbst, kleidet sich bäuerlich. In Russland grassiert diese „Anastasia“-Bewegung, die auf einer esoterischen Romanreihe basiert und die vermeintlich altrussische Kultur der ­Weden wiederbeleben will. Der Fotograf Julian Röder hat Familien dieser auch nach Deutschland schwappenden Bewegung besucht. Die Bilder des ­Zyklus’ „Licht und Angst“ sind jetzt in seiner Soloschau im Haus am Waldsee zu sehen, neben älteren Serien zur Waffenindustrie, zu Demonstrationen gegen politische Gipfeltreffen und der Befestigung der EU-Außengrenze.
Was auf den ersten Blick divers wirkt, fügt sich im Werk des 1981 in Erfurt Geborenen doch zu einem Gesamtbild. „Ich habe mich lange mit Kapi­talismuskritik beschäftigt“, sagt Röder. „Die Protestierenden bei den G8-Gipfeln und die Siedler der Anastasia-Bewegung vereint die Kritik an den Verhältnissen in der globa­lisierten Welt. Doch während die ­einen die Politik und ihre Entscheider kritisieren, ­sehen die anderen böse Mächte am Werk.“
Mit einem feinen Gespür für historische Kontinuitäten hat Röder die „neuen Weden“ fotografiert. Wenn sich Fackelträger und Tanzende im Kreis um ein Lager­feuer versammeln oder eine junge Frau in weißem Gewand die Arme zum Lichtgebet hebt (siehe links), entstehen Bilder, die an präfaschistische Motive aus der Lebensreformbewegung erinnern – in der Fotosprache ebenso wie im Gestus der Handelnden.  

Text: Johannes Wendland

Haus am Waldsee Argentinische Allee 30, Zehlendorf,  18.11.–12.2., Künstlergespräch: 7.12, 19.30, Di–So 11–18 Uhr, 7/ erm. 5 €, bis 18 J. frei

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