Filmporträt

„Julian Schnabel – A Private Portrait“ im Kino

An Pappi Corsicatos Film über den New ­Yorker Maler und Filmregisseur Julian ­Schnabel lässt sich exemplarisch die Problematik von dokumentarischen Künstlerporträts ersehen, die von Verwandten, engen Freunden oder ehemaligen Mitarbeitern der jeweils Porträtierten erstellt werden

Foto: Porfirio Munoz

Einerseits mag man eine Nähe verbuchen, die ein ­Außen­- stehender so vielleicht nicht erreicht hätte, und ein Vertrauen, das oftmals Archivmaterial zutage fördert, das sonst im Keller geblieben wäre. Andererseits muss man aber damit rechnen, dass der Umgang mit dem Sujet ein gänzlich unkritischer ist: 90 ­Minuten distanzlose Lobhudelei.

Pappi Corsicato ist ein guter Freund Schnabels. Der interessanteste Aspekt des Films ist zweifellos die Sammlung von Material, mit dem dessen Karriere chronologisch seit den 1970ern nachvollzogen wird, als Schnabel mit großformatigen Bildern die figurative ­Malerei wieder salonfähig machte. Dazwischen gestreut sind Aufnahmen aus dem ­Privatleben, die uns sagen sollen, dass es zwischen Leben und Arbeit des Workaholics eigentlich keinen Unterschied gibt, sowie diverse Interviews – in denen auch Schnabel selbst zu Wort kommt. Bescheidenheit ist definitiv nicht des Malerfürsten Zier. Der Einfachheit halber hat er den Film gleich selbst mitproduziert. Das alles ist so dreist, dass es fast schon wieder lustig ist. Eine gewisse Unterhaltsamkeit kann man Schnabels Larger-than-life-Persönlichkeit wahrlich nicht absprechen.

Julian Schnabel – A Private Portrait USA/I 2017, 84 Min., R: Pappi Corsicato, Start: 11.1.

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