Musik & Party in Berlin

Katharina Frank im Admiralspalast

Katharina Franck zeigt mit ihrem neuen Album, dass für sie noch lange nicht der Zeitpunkt einer Bilanz gekommen ist.

Katharina FranckAls vor drei Jahren mit „First Take, Second Skin“ Katharina Francks drittes Soloalbum erschien, wurde es vielerorts als Anknüpfungs- punkt an den leichtfüßigen Gitarrenpop der ersten zwei Rainbirds-Alben gefeiert.  Doch es gab auch einige, die sich nach „Hunger“ und „Zeitlupen­kino“ – ihren Experimentalalben mit „gesprochenen Popsongs“ –  mehr musikalischen Wagemut erhofft hätten. Darunter auch Franck selbst, welche im Rück­blick erkennt, dass die damalige Doppelrolle als Musikerin und Produzentin sie oft davon abhielt, „den Geschichten der Songs richtig auf den Grund zu gehen“ und sie stattdessen mehr damit beschäftigt war, „die unterschiedlichen Gemüter der Beteiligten“ zu befrieden.
Daher habe sie sich „diesmal jemanden gewünscht, der bei der Produktion die Fäden in die Hand nimmt“. Und hat mit dem Ex-Cultured-Pearls-Bassis­ten und -Arrangeur Peter Hinderthür offenbar ins Schwarze getroffen. „Es gab von Anfang an eine so entspannte und völlig hingebungsvolle Atmosphä­re gegen­über dem, was ich da anbiete, dass ich das Gefühl hatte, über mich hinauszuwachsen.“  Den Ausgangspunkt für die Auf­nahme-Sessions boten ihre nur auf Gesang und Akustikgitarre reduzierten Solo-Performances, die dann behutsam um weitere Klangfarben, darunter auch das unverkennbare Klavierspiel ihrer Ex-Rainbirds-Kollegin Ulrike Haage, ergänzt wurden. Faszinierend, wie sich im zärtlich vorgetragenen „Last Bus Out“ die Dramatik eines immer wieder aufgeschobenen Abschieds durch die mit Paukenschlegeln bearbeiteten Toms zuspitzt. Oder die in „Wind Was Playing With My Hair“ beschriebene Ruhe nach einem Sturz, welche im sphärischen, Cocteau-Twins-artigen Sound ihre kongeniale Entsprechung findet.
Doch auf „On The Verge Of An Autobiography“ gibt es auch Uptempo-Stücke in bester „Blueprint“-Manier wie „Reckless Reck­less“, welches die besungene Unbekümmertheit perfekt eingefangen hat. Und der Titelsong bringt schließlich eloquent zum Ausdruck, weshalb von Katharina Franck wohl nie gedruckte Memoiren zu erwarten sind. Schließlich gäbe es immer etwas zu ergänzen – und dies macht sie bevorzugt auf musikalische Weise.

Text: Markus von Schwerin

Foto: Tanja Schnitzler 

Katharina Franck & Band, Record-Release-Konzert, Admiralspalast, 101-Saal, So 18.1., 20 Uhr, VVK: 16 Euro.

Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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