Planet Fusion

Khruangbin im Festsaal Kreuzberg

Lazy & Laidback: Khruangbin erinnern an Soundtracks schmuddeliger asiatischer Pink-Filme und Thai-Funk, wie er vor vierzig Jahren auf Cassetten kursierte

Mary Kang

Auf endlosen Konzertreisen haben Khruangbin (thailändisch für „Flugzeug“) die Fankommune in den letzten Jahren permanent vergrößert. Beim Gig in der Kantine am Berghain 2016 kamen dann auch in Berlin neue Freunde dazu. Völlig zu Recht, sind die Texaner mit ihren Tranquilizer-Tracks live wie auf Tonträger doch genau das, was der stressgeplagte Mensch von heute braucht. Alles an der entschleunigten Instrumentalmusik – Gesang gibt‘s nur in Ausnahmefällen – ist wohltuend lazy und laidback.

Schon nach wenigen Takten werden im entspannt baumelnden Geist beim Hören Assoziationen angeregt, in der die Querbezüge und Reminiszenzen nur so durcheinanderpurzeln. Man fühlt sich an den Morricone der Spaghetti-Western und den Gitarrenpop der Shadows erinnert, denkt an Psychedelic- und Surfrock aus dem Jahre Schnee, macht Ähnlichkeiten mit den Soundtracks schmuddeliger asiatischer Pink Films aus, entdeckt Parallelen zu obskurem Thai-Funk, wie er vor vierzig Jahren auf Cassetten kursierte. Vor allem die gemeinsame Vorliebe für Letzteres hat die Künstler aus Houston ganz zu Beginn ihrer Bandhistorie zusammengeschweißt.

Erwartete einen auf dem Debütwerk „The Universe Smiles Upon You“ schon ein international überbordender Stilmix, so ist der superbe Nachfolger, den das Trio im Reisegepäck der derzeitigen Tour mitbringt, wahrhaft weltumspannend. Mittlerweile hat man Einflüsse aus dem Iran, Indisches und mehr FunkʼnʼSoul der alten Schule addiert, weshalb der Albumtitel „Con Todo El Mundo“ absolut Sinn ergibt.

Khruangbin sind aber nicht nur musikalisch eine Attraktion, sie machen auch optisch etwas her. Konzertbesucher jedenfalls dürfen sich auf lustige Prinz-Eisenherz-Frisuren, exotische Outfits sowie eine leicht verrückte Performance freuen. Die Amerikaner brauchen auf der Bühne nicht viel, um das Publikum zu fesseln. Es reicht, wenn Mark Speer lässig und wie weggetreten am Vibratohebel seiner E-Gitarre zieht, Bassistin Laura Lee sich elegant im Schlurfbeat wiegt und Donald „DJ“ Johnson betont stoisch die Schlagzeugfelle beklöppelt. Die drei sind echte Hingucker, selbst ohne große Action.

Festsaal Kreuzberg Am Flutgraben 2, Treptow, Fr 16.2., 20 Uhr, ausverkauft

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