Thailändisch

Khwan in Friedrichshain

Fine Dining mit Fettfingern: Gesmokte Austern, fermentierte Rippchen und das perfekte Sound-Food-Pairing: Khwan ist die Entdeckung des Sommers

Ein Street-Food-Stand? Ein Popup-Restaurant? Jein. Khwan ist vielmehr die kulinarische Entdeckung dieses Sommers. Eine aus grobem Holz gezimmerte Schatztruhe. Und man sollte tunlichst alles vergessen, was man bisher über Food-Events auf dem RAW-Gelände an der Revaler Straße in Friedrichshain gehört hat. Auch die paar guten Geschichten. Khwan ist eine ganz andere Erzählung. Khwan ist thailändisches BBQ. Und ein neuerlicher Beweis dafür, dass man die besten Küchen dieser Stadt nicht mehr an den gestärkten Tischtüchern, den Silberlöffeln oder an der Rechnungssumme erkennt.
Hinter dem bis dato vor allem als Street-Food-Küche (unter anderem beim Street Food Thursday) auf buchstäblich kleinerer Flamme kochenden Holzkohlengrillspektakel stecken Daniel Lambert, ein in London aufgewachsener junger Koch, und David Chien, ein thailändischer Niederländer. Von Lambert, diesem augenscheinlichen Lad, stammt auch die Playlist: Sixties, Soul, britischer Arbeiterklassen-Pop. Das perfekte Sound-Food-Pairing.
Für die Bratwurst, die man sich gemeinsam mit The Sausage Man Never Sleeps ausgedacht hat, kommen auf ein Kilogramm Fleisch fünf Kilo Kräuter. Die Nordseeauster von Küstlichkeiten aus der Markthalle Neun wird raucharomatisch auf Holzkohle gegrillt und chilischarf abgerundet. Womit zwei Kernkompetenzen von Khwan benannt wären. Zum einen ist man extrem gut vernetzt, setzt auf handwerkliche, hochwertige Grundprodukte. Zum anderen ist es gerade das Rustikale des Holzkohlengrills, das die ohnehin vielschichtige Aromensprache der thailändischen Küche ins Umamihafte komplettiert.
Drei der Teller, die wir an diesem Abend gegessen haben – die Auster, das Lamm und vor allem die fünf Tage lang in Misoreis fermentierten Schweinerippchen (vom Schwäbisch Halleschen Landschwein) – waren schlichtweg perfekt. Alles andere war noch immer sehr, sehr gut. Dieses Khwan kann Fine Dining, nur eben anders – mit Fettfingern.

Khwan Revaler Str. 99 (auf dem RAW-Gelände), Do–Sa ab 18 Uhr, So 10–17 Uhr, www.facebook.com/khwanberlin

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