So war es beim fünften Kiezgourmet präsentiert von Mastercard Priceless Berlin

Kiezgourmet am Maybachufer

Von Dänen lernen. Hätte ja, so vor zehn Jahren, auch keiner gedacht, dass wir in Sachen Esskultur einmal ausgerechnet nach Skandinavien schauen. Ein Skandinavier indes, irgendwann in den 2000er Jahren zum Studium nach Berlin gekommen, hatte auf der Suche nach wirklich gutem handwerklichem Brot in die Röhre geschaut. Und sich deshalb einen Ofen gekauft. Schließlich gab es in Kopenhagen schon diese fantastischen neuen Bäckereien, die aus nicht viel mehr bestanden aus einem weißen Raum, einem Ofen und zwei, drei Sorten wirklich gutem Brot. Nun, inzwischen gibt es in Magnus Grubbes The Bread Station ein paar Sorten mehr. Inzwischen gibt es in Berlin ja sogar zwei handvoll neuer, toller handwerklicher Bäcker. Mit der Bread Station am Maybachufer hat dieses Revival angefangen.

Unser Kiezgourmet präsentiert von Mastercard Priceless Berlin jedenfalls startete in der Bread Station. Geschichten vom Brot und dazu hausgemachten Hummus und Zwiebelbutter auf die vollmundigen Sauerteigscheiben. Kleine Läden, die eine Sache konsequent angehen, darum geht es ja beim Kiezgourmet. Und so ging es auch bei Stefanie Drobits, alias Fräulein Brösel, weiter.

Ihr Ladenlokal mit der historischen, verwaschenen Wandgestaltung ist eines der schönsten dieser Stadt. Aber deshalb waren wir nicht nur gekommen. Sondern wegen des Schnapses, wegen Fräulein Brösels Schnapserwachen: Brände von Haselnuss, Marille oder Vogelbeere, sanft statt scharf und aromentief nah dran an der jeweiligen Frucht. Ja, das kulinarische Berlin sind nicht nur seine Wirte und Köche, es sind auch die Kurateure und Produzent*innen. Hochprozentig handwerklich, gleich mehrere unserer Gäste nahmen das Schnapserwachen gleich flaschenweise mit.

Bilder

Wir hatten ja auch einen Weg vor uns: einmal über die Straße und direkt nach Peru. Chicha Berlin heißt diese zum Restaurant gewordene Street Food Küche. Tiradito Utopico (Lachs mit weißer Schokolade, Oxalis und Farofa) und Tiradito Exotico (Adlerfisch mit Papaya-Rocoto-Gel, gepopptem Quinoa und in Kakao karamellisierter Avocado) hießen unsere Teller. Typische peruanische Küche, vom peruanischen Küchenchef Simon Castro Mendoza durchaus cuisinig aufgepeppt ohne ihnen die Authentizität zu nehmen. Peru wurde ja in den vergangenen Jahren als die heißeste aller Esskulturlandschaften gehandelt. Im Chicha Berlin kann man das, zu alltagskompatiblen Preisen, schmecken.

Und dann? Auf die andere Seite, einmal nach Kreuzberg, einmal über den Landwehrkanal. Dass das Wagner Cocktail Bistro einer unsere Lieblingsläden ist, steht ja spätestens in der aktuellen Tip Speisekarte. Warum dem so ist, wurde auch an diesem Abend klar. Geistreiche, produktfokussierte Teller, nonchalant in der Mitte der Tische platziert, nahmen uns herzlich in den Arm. Frittierte Haut vom Kabeljau mit Hühnerleber oder Burrata auf angeflammtem Chicoree, umhüllt von einer Scheibe Lardo: Solche Teller sind italienisch und nordisch zu gleich. Sie kommen von Küchenchef Danny Benedettini, der radikal zeitgenössisches immer mit italienischen Bauchnoten grundiert. Spät sollte es werden. Aber Sommelier Jan Hugel überbrückte die Stunden mit entdeckungsdurstigen, an diesem  Abend ausgesucht französischen Naturweinen.

Die kulinarische Lage am Landwehrkanal? Sie könnte besser, spannender, ja zeitgemäßer kaum sein.

Text: Clemens Niedenthal
Fotos: Lena Ganssmann

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