Kino & Stream

100 Jahre Studio Babelsberg

Die Bourne Verschwörung

Dass an diesem Ort heute internationale Spielfilme wie „Unknown Identity“, „Wer ist Hanna?“, „Die Drei Musketiere 3D“, „Anonymus“ oder „Huhn mit Pflaumen“ gedreht werden, ist nicht selbstverständlich. Besonders in den letzten Jahren schlagen sich die Veränderungen des globalen Filmgeschäfts auch in Babelsberg nieder.
„Die Filmfinanzierung ist heute auf mehrere, kleinere Quellen verteilt“, erklärt Carl Woebcken, „auch die Filmvermarktung ist viel ausdifferenzierter, mit unterschiedlichen separat verhandelten Rechten für Kino, Internet, Home Entertainment und aufgeteilt nach verschiedenen Territorien.“ Für Studio Babelsberg, das sich als Ko-Produzent und Generalübernehmer an vielen Produktionen beteiligt, ist auch die Finanzkrise problematischer als für andere Standorte: Besonders kleinere internationale Projekte haben ernsthafte Finanzierungsprobleme. Wer mit einem Budget von 25 bis 50 Millionen Euro plant, Babelsbergs typischer Produktionsgröße, hat es deutlich schwerer, das Geld zusammen zu bekommen, als manch übergroßer Hollywood-Blockbuster.
Dreharbeiten zu Auch Roland Emmerichs „Anonymus“ war jahrelang in der Warteschleife. „Ursprünglich sollte der Film ‚Soul Of The Age‘ heißen und für die Luftaufnahmen des elisabethanischen Londons noch Miniaturmodelle gebaut werden, weil man mit CGI noch nicht so weit war.“ Auch in Babelsberg wird digitale Bildgestaltung und –bearbeitung immer wichtiger. „Wir wollen uns bemühen, am Standort, in Babelsberg wie Berlin, zunehmend Visual-Effects-Firmen und digitale Post-Produktionsunternehmen anzusiedeln, weil die zur Angebotsvielfalt des ‚One-Stop-Shops‘ dazugehören.“ Und Woebcken fügt hinzu: „Der Kosten- und Zeitdruck für Produktionen ist heute enorm, wo man früher für einen Film zwei Jahre hatte, ist es heute nur noch eins. Sowas geht nur, wenn man simultan dreht und digital produziert.“
Dass Studio Babelsberg heute ein nicht unerheblicher regionaler Wirtschaftsfaktor ist, verdankt das Unternehmen natürlich auch den öffentlichen Fördermitteln. Besonders die Einführung des Deutschen Filmförderfonds (DFFF) 2007 hat Babelsberg – bedrängt von Konkurrenten nicht nur in England und Osteuropa – attraktiver gemacht. Produktionen suchen global nach den günstigsten Offerten, lokale Subventionen spielen da eine große Rolle. Carl Woebcken findet die Zuschüsse vernünftig, eine Filmproduktion generiere schließlich viele Arbeitsplätze. „Die deutsche Statistik ist da eindeutig: Für jeden Euro, den der DFFF investiert, kommt das Sechsfache an Filmwirtschaftsumsatz zurück“, meint Woebcken. „Das kann man noch verdreifachen, die meisten Produktionen geben das Geld ja auch hier aus, für Taxis, Unterbringung und ähnliches. Das bedeutet, dass man einen bis zu 18-fachen volkswirtschaftlichen Nutzen hat.“ Goldene Aussichten für den Produktionsstandort Berlin, selbst wenn die Gesamtrechnung doch realistischerweise viel niedriger ausfallen könnte. Für Produzenten und Filmemacher ist die Förderung in jedem Fall wichtig, einige der mittelgroßen Projekte, die in Babelsberg realisiert wurden, wären ohne finanzielle Hilfen kaum möglich gewesen; auch das Groß-Projekt „Der Wolkenatlas“ wird umfassend bezuschusst.
Auf dem Studiogelände in Babelsberg ist jetzt erst einmal Ruhe, traditionsgemäß wird hier im Winter wenig gedreht. Über die nächste Produktion mag noch niemand wirklich reden. Eike Wolf meint zum Ende des Studio-Rundganges, der amerikanische Regisseur des noch mysteriösen Projekts habe bereits „seine Kinder an einer Berliner Schule angemeldet“, Carl Woebcken verspricht, die Produktion würde „groß und richtig gut“ werden. Welche Hollywood-Prominenz wird einem wohl in diesem Jahr in der Schreibwaren-Boutique in Berlin-Mitte oder der Kreuzberger In-Bar begegnen?

Text: Thomas Klein

Foto oben: Die Bourne Verschwörung

Foto unten: Dreharbeiten zu „Anonymus“ / Columbia TriStar

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Lesen Sie hier:

Ein Interview mit Carl Woebken – Vorstandsvorsitzender der Studio Babelsberg AG

100 Jahre Babelsberg: Das Filmmuseum Potsdam

100 Jahre Babelsberg: Termine und Veranstaltungen 

100 Jahre Babelsberg: Die Berliner Straße

 

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