Trilogie

„1001 Nacht: Teil 3 – Der Entzückte“ im Kino

Dritter und letzter Teil der Geschichten aus 1001 Nacht, die Miguel Gomes über Portugal und die unbeantwortete soziale Frage im 21. Jahrhundert erzählt

Foto: Real Fiction

„Der Entzückte“ spielt wie die beiden Vorgänger mit Bildern von ­Erschöpfung und spontaner Rebellion, mit den Resten einer Utopie.
Das prägnanteste Bild, das Gomes findet, ist die dokumentarische Erzählung über die „Chaffinches“. In der Welt der Sozialbauten am Rande von Lissabon entdeckt er proletarische Vogelfänger, die ihre Tiere in großen Singwettbewerben gegeneinander antreten lassen, nachdem sie ihnen in monatelanger Arbeit möglichst komplexe Tonfolgen antrainiert ­haben. Ihren zugleich archaischen und verfeinerten Wettkampf kontrastiert der Regisseur mit Bildern von Großdemos in Lissabon gegen die Sparpolitik der portugiesischen Regierung und mit einem Fluchtversuch seiner Scheherazade, die in einer malerischen, neuen Welt ihr Autonomiebedürfnis mit einem Leben als Geliebte und Mutter versöhnen soll.

„1001 Nacht“ lässt sich auch im dritten Teil nicht auf ein Thema reduzieren: Die Vielfalt der Stimmen bleibt Konzept und produziert einen Überschuss an Bedeutungen, die kaum eine konventionelle Erzählung herstellen könnte. Das Gewebe, das sich aus den vielen Erzählfäden knüpft, bildet ein wunderbares Patchwork, keine homogene Geschichte. Die Erfüllung der politischen Utopie, wenigstens im Kino.

As Mil e Uma Noites Volume 3 O Encantado (OT) POR/F/D/CH 2015, 131 Min., R: Miguel Gomes, D: Crista Alfaiate, Américo Silva, Amar Bounachada, Start: 25.8.

Bewertungspunkte1

Mehr über Cookies erfahren