Drama

„120 BPM“ im Kino

Das verfluchte Virus: „120 BPM“ blickt zurück in die Aids-Krise der 90er-Jahre

Edition Salzgeber

„Aids ist Krieg“: Mit solchen Parolen und Aufsehen erregenden Aktionen kämpfte in den frühen 90er-Jahren die Bewegung „Act Up“ für eine bessere Politik zugunsten der Opfer der Aids-Epidemie. Robin Campillo war damals mitten im Geschehen, und es hat Jahre gedauert, bis er sich in der Lage sah, darüber einen Film zu machen.

„120BPM“ vergegenwärtigt den damaligen Moment, ohne ihn als historisch abzutun. Aus den vielen Figuren kristallisieren sich zwei Männer heraus, Sean und Nathan, in deren Liebesgeschichte sich der große Scheideweg zeigt, den das Virus brachte: die einen starben (früh und qualvoll), die anderen nicht, jedenfalls nicht an Aids. Den Unterschied machte der mühsam ­erkämpfte Fortschritt von Behandlungsmethoden, die hier ein Unternehmen nach kommerziellem Kalkül lancieren möchte.
Robin Campillo führt geschickt das Private und das Politische zusammen, etwa in einer Szene, in der Bronski Beats „Smalltown Boy“ in das rasselnde Atmen von Sean übergeht, der von einer blutroten Seine träumt. „Act Up“ wollte Zeichen setzen für das Leben. Davon lebt auch noch dieser bewegende Film, in dem die Mutter von Sean am Ende sagt: „Wir sollten auch von Mut sprechen.“ Vom Mut und von der Trauer spricht „120BPM“, und auch von den Konflikten zwischen jenen, die sich von der Krankheit nicht unterkriegen lassen wollten.

120 BPM F 2017, 143 Min., R: Robin Campillo, D: Nahuel Pérez Biscayart, Arnaud Valois, Adèle Haenel, Start: 30.11.

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