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„17 Mädchen“ im Kino

17 Mädchen

Langeweile kann höchst kreativ sein. Aber auch nerven und lähmen, vor allem wenn man um die 16 ist, in einem öden bretonischen Kaff abhängt und so langsam das Gefühl bekommt, dass einen die Warteschleife des Lebens erwürgt. Und dann wird Camille schwanger. Camille ist das Alphaweibchen in ihrer Clique, sie will das Kind. Und weil sie mit dessen Geburt so viel Visionäres verknüpft – ein 200 Prozent intensiveres Leben, Selbst­bestimmung, Ausbruch aus der Zwangsjacke der Adoleszenz –, beschließen ihre Freundinnen, ebenfalls Mütter zu werden. Und wie sie da mit neuem Selbstbewusstsein durch die Schule flanieren, runden sich weitere Bäuche. Lehrer und Familien rätseln geschockt über diesen „Trend“.
Die Geschichte soll so ähnlich in den USA passiert sein, die Regisseurinnen und Schwestern ­Del­phine und Muriel Coulin schufen daraus ein subtiles und starkes Spielfilmdebüt. Ob Kleinstadtödnis oder die Auseinandersetzung mit Sexualität und Mutterschaft, selbst für die seltsame Gruppendynamik finden sie stimmige Bilder. Schnelle Schnitte, freche Dialoge und gellende Rockmusik geben dieser Mädchenrevolte den richtigen Schliff. Auch der Stille danach.

Text: Cristina Moles Kaupp

Foto: Jerome Prebois

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „17 Mädchen“ im Kino in Berlin

17 Mädchen (17 Filles), Frankreich/Belgien 2011; Regie: Delphine und Muriel Coulin; ­Darsteller: Louise Grinberg (Camille), Juliette Darche (Julia), Roxane Duran (Florence); 90 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 14. Juni

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