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20 Jahre Arthaus im filmkunst 66

Apocalypse Now

Kann eine Riesenproduktion wie „Apocalypse Now“ noch Arthouse sein? Gehört sie nicht eher ins Multiplex? Oder vielleicht in die Oper? Die Schwierigkeiten, die hier auftreten, durchziehen das Festival 20 Jahre Arthaus, wenn man es nach einem bestimmten Zusammenhang befragt. Dieser lässt sich in etwa so bestimmen: Was ist nicht Mainstream, aber auch nicht Experimentalfilm? Dazwischen bleibt eine Menge. Das Label Arthaus spricht selbst sehr offen nur von „besonderen Filmen“. So steht dann eben „Out of Rosenheim“ von Percy ?Adlon umstandslos neben „Das siebente Siegel“ von Ingmar Bergman. Der besondere Film ist bei Arthaus eben auch der besonders beliebte Film. Die Auswahl wurde nicht zuletzt von den Filmtheaterbetreibern gemacht, denen nun ein digitalisiertes Repertoire wieder zugänglich gemacht wird.
Damit bekommt das Festival eine weitere Note: Es könnte dazu dienen, einen Test auf die Kinotauglichkeit von Klassikern für eine heutige Generation zu machen, die vielfach nichts mehr davon weiß, dass Kino die Kulturstätte ist, für die Filme gemacht werden, wie es in einer Eigenwerbung der Branche so pointiert wie tautologisch heißt.
Für die Generation, die mit der Entstehung der Kategorie Arthouse herangewachsen ist, könnte das Festival eine Gelegenheit bieten, den Test auf den Zahn der Zeit zu machen. Wie mag wohl Jane ?Campions „Das Piano“ gealtert sein? Seinerzeit war das ein Film, auf den sich wirklich alle einigen konnten, die nicht stur auf Roland Emmerich und Konsorten setzten. Heute ist der Klavierschlepperfilm mit Vorsicht zu genießen.
Der vielleicht interessanteste „besondere“ Film im Festival stammt von einem Mann, der alle diese Kategorien in seiner Karriere durch- und schließlich unterlaufen hat: Orson Welles schaffte es 1962, seine Adaption von Kafkas „Der Prozess“ zu realisieren. Das ist nun wirklich auch ein Kunstfilm, wie ihn gerade die Sechzigerjahre vielfach hervorgebracht haben. Der unauslotbare Roman von Kafka wird bei Welles zu einer Allegorie auf die verwaltete Welt im atomaren Zeitalter. Das Kunstbedürfnis geht hier auch mit einem Bedürfnis einher, ein offenes Kunstwerk durch konkrete Bedeutung zu schließen.
In jedem Fall bekommt man bei dem Festival 20 Jahre Arthaus vor allem Gelegenheit, innerhalb weniger Tage einmal die ganze Filmgeschichte zu durchqueren.

Text: Bert Rebhandl

Foto: Kinowelt GmbH

20 Jahre Arthaus, ?2.6. bis 18.6 im Filmkunst 66, www.filmkunst66.de

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