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24 Stunden Berlin: Ein Tag für die Ewigkeit

Weltzeituhr_24hBerlinNeben den 80 Profi-Kamerateams, die am 5. September das Stadtleben bis in den frühen Morgen aufzeichnen werden, sollen auch cinephile Hauptstädter Material für den Tage-und-Nacht-Film zuliefern. Eingeladen, sich an der groß angelegten Videovermessung der Stadt zu beteiligen, sind alle Berliner/innen, die sich berufen fühlen, an diesem Tag die (Video-/Handy-/Web-)Kamera anzuschalten. Auf der Website www.24hberlin.de können sich Kurzentschlossene in einem Schnellkurs weiterbilden.
Besonders wichtig: die Fünf Sekunden-Regel, also die Kamera immer noch weiterlaufen lassen, bevor man die Aufnahme endgültig stoppt. Man weiß ja nie, was im Leben noch so alles passiert. Alles ist möglich.

Haben Sie Interesse daran, aktiv an 24h Berlin mitzumachen können Sie sich unter folgender Adresse anmelden: www.flickr.com/photos/24hberlin/

 

Rosa von Praunheim_Foto_Anna_BlankeAuch der bekannte Berliner Filmemacher Rosa von Praunheim wird beim Doku 24h Berlin mitmachen. im Interview spricht er über das Projekt.

tip Rosa von Praunheim, was machen Sie am 5. September?
Rosa von Praunheim Ja, was mach ich als schwuler Filmemacher? Schwul und Sex, dachte ich, das werden sicher nicht so viele beackern. Sexpartys in Berlin sind ja sehr beliebt, besonders bei Schwulen. Hier hast du Sexpartys aller Couleur, aller Variationen und Wünsche. Du brauchst nur die „Siegessäule“ oder ein schwules Magazin aufzuschlagen und kannst von der Unterhosenparty bis zur Fetischparty jeden Wochentag was finden.

tip Lässt sich das Leben einer Stadt überhaupt dokumentieren?
Praunheim Man kann alles dokumentieren, jede Straße, jedes Haus. Ich würde gern einen Film über den Preußenpark machen, hier um die Ecke. Das ist ein kleines Biotop mit wirklich unheimlich vielen Subkulturen. Wenn du ein Wohnhaus nimmst, es sind so viele
Geschichten, die sich da verbergen.
Berlin ist irrsinnig komplex. Da hast du natürlich die ganze Welt und die ganzen Geschichten, den Rhythmus dieser Stadt. Also Dokumentation ist was wunderbares.

tip Wird der Rhythmus Berlins mittlerweile nicht viel stärker durch Immaterielles, zum Beispiel durch Datenströme, beeinflusst?
Praunheim Das finde ich nicht. Ich glaube, Film handelt von Menschen. Für mich ist es dann am Spannendsten, wenn es um Menschen geht, um Schicksal, Gefühle, um dramatische Situationen und persönliche Konflikte. Meinen Studenten versuche ich immer klar- zumachen, dass wir das Schicksal eines Menschen darstellen. Je näher wir nun an diesen Menschen rankommen, umso mehr lieben wir ihn auch, ganz egal, ob das nun Spielfilm oder Dokumentation ist. Mit unserer Arbeit können wir Menschen unsterblich machen. Ich bin ja nun auch nicht mehr der Jüngste, und ganz viele, die ich in meinen Filmen porträtiert habe, sind nicht mehr. Doch die Filme über sie sind noch da. Jedenfalls sind sie zugänglich, man kann sie ansehen.

Interview: Nicolaus Schröder

24 Stunden Berlin – 24 Ansichten von Berlin – Fotogalerie von Harry Schnitger

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