Drama

„24 Wochen“ im Kino

Einsame Entscheidung Der deutsche Berlinale-Wettbewerbsbeitrag 2016: das intensive Drama „24 Wochen“

Foto: Friede Clausz/ zero one film_GmbH

Die deutsche Regisseurin Anne Zohra Berrached war eine der großen Entdeckungen der diesjährigen Berlinale. „24 Wochen“ ist erst ihr zweiter Spielfilm und wurde gleich in den Wettbewerb eingeladen. Sie erzählt darin mit dokumentarischer Nüchternheit und großer emotionaler Wucht ein existenzielles Drama um eine Spätabtreibung.
Die Filmemacherin situiert die Geschichte in einer intakten Welt, die im Laufe des Films aus den Fugen geraten wird. Astrid (Julia Jentsch) und Markus (Bjarne Mädel) führen eine ungetrübte Ehe und haben ein gemeinsames Kind. Astrid arbeitet als ­erfolgreiche Kabarettistin, Markus managt sie. Als Astrid erneut schwanger ist, erfahren sie, dass es sich um ein Kind mit Down-Syndrom handelt.
Weil die beiden gewohnt sind, schwierige Aufgaben zu meistern, entscheiden sie sich für das Kind. Doch bei einer Routine-Untersuchung in der 24. Woche wird ein gravierender Herzfehler beim Kind fest­gestellt. Dadurch kommt alles erneut auf den Prüfstand. Am Ende wird Astrid allein eine Entscheidung über Leben und Tod treffen müssen. Denn ein Kind ist ab der 24. Schwangerschaftswoche außerhalb des Mutterleibes überlebensfähig. Um die Schwangerschaft jetzt abzubrechen, müsste das Kind im Mutterleib mit einer Kalium-Chlorid-Spritze getötet werden.
Anne Zohra Berrached verzahnt eine fiktionale Geschichte mit realen Ärzten, Hebammen und Orten – und verlangt ihren Schauspielern dabei extrem viel ab. Ihrem Film gibt diese ungewöhnliche Inszenierung eine ungeheure Kraft und Intensität.

Volker Gunske

Dies ist der letzte Text, den der viel zu früh ­verstorbene Volker Gunske, ehemaliger Film­redakteur des tip, für uns zur Berlinale 2016 geschrieben hat.

24 Wochen D 2016, 103 Min., R: Anne Zohra Berrached, D: Julia Jentsch, Bjarne Mädel, Johanna Gastdorf, Emilia Pieske, Maria Dragus, Start: 22.9.

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