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8. Mai 1945/2020

75 Jahre Kriegsende: 12 Filme, die man jetzt sehen sollte

Wir hätten da ein paar filmische Schätze zum Tag der Befreiung: Am 8. Mai 1945 kapitulierte die Deutsche Wehrmacht und besiegelte damit das Ende des Zweiten Weltkrieges. Die Auseinandersetzung mit der Geschichte und Auswirkungen der Nazi-Ära begann direkt im Anschluss. Ungezählte Filme entstanden, die Hitler, den Holocaust, den D-Day oder Stalingrad thematisierten. Anlässlich des 75. Jahrestags des Kriegsendes haben wir 12 Filme herausgesucht, die man jetzt sehen sollte. Darunter legendäre Werke von Billy Wilder oder Wolfgang Staudte, aber auch selten gezeigte Dokumentationen.

Unter den Brücken

D 1944/46, R: Helmut Käutner, D: Hannelore Schroth, Carl Raddatz, Gustav Knuth

Zwei Binnenschiffer verlieben sich in eine junge Frau. Helmut Käutners gegen Ende des Krieges gedrehte und dem poetischen Realismus des französischen Kinos verwandte Liebes- und Freundschaftsgeschichte ist ein Gegenentwurf zur damals allgegenwärtigen Propaganda von der militarisierten Volksgemeinschaft: mit friedlicher Havel-Idylle statt Bombenkrieg und dem Rückzug in die Freiheit des Privaten. Die Erstaufführung fand erst 1946 in Locarno statt. Erhältlich als DVD.


Berlin

UdSSR 1945, Regie: Juli Raisman

Dokumentarfilm über den Kampf der Roten Armee um die deutsche Reichshauptstadt. Bei den Filmfestspielen in Cannes 1946 als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet. Zu sehen u.a. in Filmmuseen.


Die Mörder sind unter uns

D 1946, R: Wolfgang Staudte, D: Hildegard Knef, E.W. Borchert, Arno Paulsen

Der depressive Ex-Militärarzt Hans Mertens (E.W. Borchert) trifft im Nachkriegs-Berlin einen ehemaligen Hauptmann (Arno Paulsen) wieder, der im Krieg für die Ermordung polnischer Zivilisten verantwortlich war. Mertens will ihn erschießen, wird jedoch durch seine Mitbewohnerin, die KZ-Überlebende Susanne Wallner (Hildegard Knef), von diesem Plan abgebracht. Der erste im Nachkriegsdeutschland bei der DEFA gedrehte Film ist zugleich der beste der sogenannten „Trümmerfilme“, die sich mit der stark von der Vergangenheit geprägten Gegenwart auseinandersetzen. Stream: filmfriend, Magenta-TV, Amazon und am 8.5. im RBB


Irgendwo in Berlin

D 1946, R: Gerhard Lamprecht, D: Charles Knetschke [Charles Brauer], Harry Hindemith, Hedda Sarnow (Trailer ab 02:30 Min.)

Die unmittelbare Nachkriegszeit aus der Kinderperspektive: Der elfjährige Gustav und sein Freund Willi gehören zu einer Gruppe von Kindern, die die Trümmerlandschaften Berlins als Spielplatz nutzen – inmitten von Schwarzmarktgeschäften und antriebslosen Kriegsheimkehrern. Als Willi bei einer Mutprobe ums Leben kommt, besinnen sich Kinder und Erwachsene auf die Aufgabe des gemeinsamen Wiederaufbaus. Stream: filmfriend.


Deutschland im Jahre Null

I 1948, R: Roberto Rossellini, D: Edmund Meschke, Ernst Pittschau, Erich Gühne

Extrem düsteres Gegenstück zu „Irgendwo in Berlin“, gedreht von Roberto Rossellini, dem Meisterregisseur des italienischen Neorealismus: Der kleine Edmund gerät im Nachkriegs-Berlin unter den Einfluss eines pädophilen Lehrers und dessen nationalsozialistischen Lehren, was ihn dazu bringt, seinen schwachen und kranken Vater zu vergiften, ehe er sich selbst das Leben nimmt. Stream: iTunes, Microsoft.


Berliner Ballade

D 1948, R: Robert A. Stemmle, D: Gert Fröbe, Tatjana Sais, Aribert Wäscher

Otto Normalverbraucher (Gert Fröbe) kehrt nach dem Krieg in seine zerstörte Heimat Berlin zurück und muss sich erst einmal neu orientieren: Arbeitssuche, Lebensmittelkarten, Berlin-Blockade und das Wiedererstarken reaktionärer Ansichten sind die Themen dieses mild satirischen Films, an dessen Ende Hass und Krieg symbolisch beerdigt werden. Erhältlich als DVD und Blu-ray.


Berlin Express

USA 1948, R: Jacques Tourneur, D: Robert Ryan, Merle Oberon, Paul Lukas

Ein Friedensaktivist will an einem Kongress in Berlin teilnehmen. Während der Zugfahrt durch das zerstörte Nachkriegsdeutschland wird er von Nazi-Agenten entführt und soll ermordet werden. Die politischen Implikationen dieses amerikanischen Kriminalfilms wurden von der ursprünglichen deutschen Synchronisation unkenntlich gemacht, hier kreiste der Plot um einen Ring von Kunstschmugglern. Erhältlich als DVD.


Eine auswärtige Affäre

USA 1948, R: Billy Wilder, D: Marlene Dietrich, Jean Arthur, John Lund

Eine Satire aus dem Berlin der unmittelbaren Nachkriegszeit: Regisseur Billy Wilder lässt eine provinzielle republikanische Kongressabgeordnete (Jean Arthur) mit einem opportunistischen Nachtclubgeschöpf (Marlene Dietrich) im Kampf um die Gunst eines flotten Besatzungsoffiziers zusammenprallen. Der Film lässt an beiden Frauen kein gutes Haar: Die Moralvorstellungen der Lady aus dem mittleren Westen entpuppen sich ziemlich schnell als Heuchelei, während die andere Dame mit einer tiefbraunen Vergangenheit aufwartet. Erhältlich als DVD und Blu-ray.


Rotation

D 1949, R: Wolfgang Staudte, D: Paul Esser, Irene Korb, Karl Heinz Deickert

Weil er für seinen Schwager eine Druckerpresse repariert, auf der antifaschistische Flugblätter gedruckt werden, gerät ein politisch unbedarfter Arbeiter in die Mühlen der nationalsozialistischen Justiz und kommt ins Gefängnis Moabit. Vor der Hinrichtung retten ihn die einmarschierenden sowjetischen Truppen. Zeitbild, in dem ein unpolitischer „Mitläufer“ der Nazi-Ära im Mittelpunkt steht. Stream: Videobuster.


Es begann mit einem Kuß (The Big Lift)

USA 1950, R: George Stevens, D: Montgomery Clift, Paul Douglas, Cornell Borchers

Spielfilm mit semi-dokumentarischen Elementen aus der Zeit der Berlin-Blockade: Die amerikanischen Soldaten Danny MacCullough (Montgomery Clift) und Hank Kowalski (Paul Douglas) kommen im Rahmen der Luftbrücke nach Berlin. Während Kowalski alle Deutschen für Nazis hält, ist MacCullough den ehemaligen Feinden gegenüber eher aufgeschlossen. Beide Männer lernen deutsche Frauen kennen und machen unterschiedliche Erfahrungen: Kowalski lernt, dass es auch „gute“ Deutsche gibt, während MacCullough an eine Opportunistin gerät, die ihn als Freifahrtschein für ein besseres Leben in den USA ansieht. Erhältlich als Import-DVD.


Die Spur führt nach Berlin

Die Spur führt nach Berlin, Foto: Prisma

BRD 1952, R: Franz Cap [František Cáp], D: Gordon Howard, Irina Garden, Kurt Meisel

Etwas unübersichtlicher Krimi um eine Geldfälscherbande im Nachkriegs-Berlin, dessen Plot sich die Aufteilung der Stadt in vier Sektoren zunutze macht. Längst nicht so gelungen wie das Wiener Gegenstück „Der dritte Mann“, wartet der Film des aus Böhmen stammenden Regisseurs František Cáp immerhin mit einem spannenden Finale im zerstörten Reichstagsgebäude auf. Erhältlich als DVD.


Phoenix

D 2014, R: Christian Petzold, D: Nina Hoss, Ronald Zehrfeld, Nina Kunzendorf

Die jüdische Sängerin Nelly Lenz (Nina Hoss) hat den Aufenthalt in einem KZ schwer verletzt überlebt und eine notwendige kosmetische Operation hat ihr Aussehen verändert. In Berlin möchte Nelly ihren Mann Johnny wiedersehen, der allerdings in Verdacht steht, sie verraten zu haben. Johnny erkennt seine Frau nicht wieder und „überredet“ die vermeintlich Fremde, sich als Nelly auszugeben, um an ihr Vermögen zu gelangen. Komplexes Drama von Regisseur Christian Petzold, in dessen Mittelpunkt die Sehnsucht der jüdischen Sängerin nach einem vermeintlich heilen Vorkriegsleben steht. Stream: Amazon, iTunes, Pantaflix.


Mehr zu 75 Jahre Kriegsende

Regisseur Volker Heise über seinen Film „Berlin 1945 – Tagebuch einer Großstadt“. Julia Franke hat die Ausstellung „Von Casablanca nach Karlshorst“ kuratiert, wir haben mit der Berliner Kulturwissenschaftlerin darüber gesprochen. Spaziergang vom Wannsee zum Neuen Garten: Spuren von Krieg und Totalitarismus. Treptower Park: Idyllisch am Spreeufer, nachdenklich am Sowjetischen Ehrenmal. An diesen wichtigen Orten in Berlin und Brandenburg wurde Geschichte des Zweiten Weltkriegs geschrieben.

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